Jener nahm die Partie an. Sie spielten drei Partien. Der Herr von Jadis gewann zwei. Mit einem triumphirenden Lächeln erhob er sich vom Tische. „Rudolf!“ rief er, „eine Droschke! Ich habe mein Theater gewonnen! Adieu! meine Herren!“ Mit diesen Worten hüpfte er zur Thüre hinaus.

„Sie haben mir durch Ihre gefühlvolle Auseinandersetzung der Verhältnisse des Fräuleins eine wahre Freude gemacht,“ sagte der Baron sich an Herrn Kriegmann wendend. „Lassen Sie uns ein Glas Champagner auf die Gesundheit Deutscher Frauen, Deutscher Liebe und Deutscher Treue trinken!“

„Sehr gerne. Dann können wir diese drei Gesundheiten in einer trinken: Fräulein Adeline!“

„Wir trinken mit,“ riefen Bleicamb, Hippias und ich.

Die Französischen Commis voyageurs, welche das Deutsche Gespräch wohl schon lange belästigt haben mogte, fingen jetzt ihr Wesen an, und Charaden, Calembourgs, Kunststücke aller Art wechselten mit einander ab.

„Ich habe keine Lust diese Französischen Windbeuteleien mit anzuhören,“ sprach Hippias. „Der Uebermuth des Russen hat mich schon genug gelangweilt.“

„Wollen Sie mir folgen, meine Herren,“ sprach Herr Kriegmann, „so gehen wir in den Garten, und trinken dort mit den Damen Cafée.“

Wir standen auf, und befanden uns bald in der Gegenwart der Madame Guilleaume, ihrer Tochter und der Fräulein Adeline, welche auf einer Bank im Garten saßen, vor welcher ein Tisch und das nöthige Cafée-Service stand.

Die Gesellschaft angenehmer, gebildeter, anständiger Damen macht immer einen vortheilhaften Eindruck auf das Gemüth eines Mannes, der noch nicht gänzlich gesunken. Sie zeigt ihm die schöne Seite des Lebens, und erweckt Erinnerungen in ihm, welche die Nachklänge vergangener schöner Zeiten sind. Sie führt ihm die Tage vor dem geistigen Auge vorüber, die er unter dem Schutze einer liebenden Mutter, der Sorgfalt seiner älteren und unter den Spielen seiner jüngeren Schwestern und ihrer Freundinnen verlebte, und die Sehnsucht nach dem sweet, sweet home bemeistert sich seiner Seele. So wie die Gegenwart würdiger Frauenzimmer dem Manne eine schöne, nie vergessende Vergangenheit auffrischt; so erfüllen sie auch sein Herz und seine Phantasie mit Bildern einer lieblichen Zukunft, mit der Sehnsucht nach der Geliebten und einer baldigen Vereinigung mit ihr, oder mit dem Wunsche, in dem gegenwärtigen weiblichen Wesen die zu erkiesende Gefährtin des Lebens zu finden, wenn Herz und Hand noch frei geblieben. Diese verschiedene Erinnerungen, Aussichten, Hoffnungen geben den Gedanken eines unverheiratheten Mannes eine eigene Richtung; sie versetzen ihn in eine für alles Gute und Schöne empfängliche Stimmung, flößen ihm den Wunsch zu gefallen ein, und mildern daher die Rohheit seiner Sitten und lehren ihn, wie Goethe sagt: „was sich schickt, was sich ziemt.“ Wenigstens sollte dieses immer der Fall sein, und ein gebildeter Mann in der Gegenwart edler Frauen nie die Schranken übertreten, welche der Anstand, die Achtung gegen das weibliche Geschlecht, das Zartgefühl vorschreiben. Bei uns Deutschen ist dieses auch, gottlob! selten der Fall. Mag der Engländer und der Franzose mehr kleinliche Aufmerksamkeiten, Zuvorkommenheiten gegen das weibliche Geschlecht mit Ostentation an den Tag legen; er fällt auch häufiger durch. Der Franzose wird schlüpfrig und der Engländer grob. Dem Deutschen verleiht der Eindruck, welchen ein wahrhaft hohes Frauenbild auf ihn macht, eine gewisse Befangenheit in ihrer Gegenwart, in seinen körperlichen Wesen, weil seine Seele zu mächtig ergriffen wird. Sein Gefühl, seine Phantasie reißen ihn fort, er versinkt in Gedanken und beobachtet daher nicht eine Menge kleiner Zuvorkommenheiten, welche die Männer anderer Nationen den Frauen widmen. Aber er wird nie unanständig werden, kein zweideutiges Wort wird seinen Lippen entschlüpfen und die meisten Frauen würden ihm gerne den Mangel an Courtoisie verzeihen, wenn sie den Thron der Anbetung und Bewunderung sehen könnten, welchen er in seinem Herzen ihnen erbaut. Nur der Deutsche ist einer wahren Liebe fähig! Die Leidenschaftlichkeit des Franzosen verfliegt wie der Schaum des Champagners. Der Engländer ist großer Passionen, tiefer Eindrücke fähig, aber um lieben zu können, wie ein Deutscher, ist er zu egoistisch, zu commerziel, zu sehr Staatsbürger. Für einen Deutschen nur kann die Geliebte ein einziger, ewiger Gedanke sein, weil er Alles über sie vergessen kann und die ganze Dauer seines Lebens nur für sie zu leben im Stande ist. Der Deutsche ist der einzige Mann, der sein Weib dauernd vergöttern kann, weil er fähig ist die Zartheit und Reinheit des Brautstandes in den Ehestand zu übertragen.