Ich darf hoffen, durch die Erwähnung dieser Ansicht den Deutschen Mädchen und Frauen die Deutschen Männer noch werther gemacht zu haben, und Ausländerinnen den Wunsch empfinden zu lassen, sich auf „gut Deutsch vergöttern zu lassen.“ Sollten einige meiner ausländischen Leserinnen diesen Wunsch hegen, so ersuche ich sie nur einige Vergötterer bei mir zu bestellen; vorausgesetzt, daß die liebenswürdigen Schönen ein reines Vermögen von 50000 Pfund Sterlinge, 200000 Silber-Rubeln oder 300000 Franken besitzen, und versprechen sämmtliche Kinder in der allein seligmachenden lutherisch, evangelischen Religions-Sekte erziehen zu lassen, weil ihnen sonst nicht die Concession zu einer ehelichen Verbindung mit einem Andersgläubigen ertheilt wird. Es ist diese Forderung nur als eine kleine Repressalie gegen die Forderungen anderer, christlicher Sekten anzusehen, welche aus den Grundsätzen hervorgeht, die wir jetzt in allen Religions und anderen Händeln befolgen: Erstens: Nehmt Eure Vernunft gefangen in dem Gehorsame Christi, und zweitens: Giebt Dir Einer eine Ohrfeige auf den einen Backen, so halte ihm den andern hin. Dieser letzte Satz wird jetzt bei uns so interpretirt: ist Einer ein Esel gegen Dich, so sei ein doppelter gegen ihn.

Meine Adresse ist: Monsieur Aristipp, Maison de commission. Depôt metapysischer, treuer Ehemänner, St. Pauli. Ungefähr in derselben Zeit, daß meine Leser diese absichtslose Abschweifung durchlesen haben, war die Gesellschaft im Garten des Hôtel de France einander vorgestellt worden, hatte sich unter dem Schatten hoher Linden auf Bänke und Stühle in verschiedenen Positionen niedergelassen, Cafée getrunken, und war durch einige Besuche aus der Stadt um ein Bedeutendes vermehrt worden. Die betrübte Stimmung Fräulein Adelinens war gewichen. Sie hatte einen Brief ihres Geliebten erhalten, der dessen nahe Ankunft verkündete. Ihr schönes braunes Auge strahlte von einer innern Glückseligkeit, und mit einem kindlichen Frohsinn mischte sie sich in das Gespräch der Anwesenden. Welch ein himmlischer Ausdruck beglückter Liebe, rosiger Hoffnung, jungfräulicher Unschuld und Tugend lag in ihrem lieblichen, blassen Gesichte!

Der Baron seinerseits schien ganz in dem Anschauen dieses huldvollen Geschöpfes verloren, und beobachtete sie mit einer unablässigen Aufmerksamkeit. Er war stille, in sich zurückgezogen und ein hoher Ernst lagerte auf seiner Stirne. Eine tiefe, gewaltige Bewegung schien ihn zu beherrschen. Er war mehre Male im Begriffe mit dem interessanten Wesen eine Unterhaltung zu beginnen, aber dem gewandten Weltmann, dem Literaten und Schriftsteller, dem Soldaten fehlte dieses Mal der Muth. Er schwieg, indem er sprechen wollte, und lehnte sich nachdenkend an einen Sessell, ohne jedoch einen Blick von dem Fräulein zu wenden. Sie schien aber weder ihn noch irgend einen andern aus der Gesellschaft zu bemerken.

Herr Herrmann Bleicamb, welcher dem Champagner tüchtig zugesprochen, und durch ihn in eine heitere Laune versetzt war, Hippias desgleichen, dem das fröhliche Wesen des alten Knaben gefiel, gaben der allgemeinen Unterhaltung eine andere Wendung, indem Herr Herrmann Bleicamb begann, der Gesellschaft ein Räthsel aufzugeben, welches lautete, wie folgt: „Eine junge Dame sprach eines Abends mit einem jungen Manne vor dem Gitter eines Klosters. Wie können Sie zu dieser Tageszeit mit einem jungen Menschen reden? fragte sie eine Kloster-Schwester. — Warum sollte ich dieses nicht? antwortete die Dame, denn seine Mutter ist meiner Mutter einzigstes Kind.“ In welchem Verhältnisse steht nun der junge Mann zu dieser Dame?

„Er war ihr Sohn, sie seine Mutter,“ bemerkte Hippias.

„Getroffen!“ rief Bleicamb und fuhr dann fort: „Können Sie mir wohl sagen, welche Aehnlichkeit zwischen einem Courmacher und einer Uhr ist?“

Man bedachte sich; dann sprach Herr Kriegmann: „Beide zieht man auf und läßt sie laufen.“

„Richtig.“

„In der Mitte des Meeres steht ein Baum,“ nahm Hippias das Wort, „und auf diesem Baume sind ebensoviele Jungfrauen, als Tropfen im Meere. Wie fangen diese Jungfrauen es an, um trocken an das Land zu kommen?“

„Jede nimmt einen Tropfen mit,“ errieth der scharfsinnige Bleicamb.