„Dann werden Sie es sehr verschönert finden, wenn Sie jetzt einmal hinkommen würden. Es liegt viel mehr Militär in der Stadt, und ist Alles schöner und prächtiger durch die Gegenwart des Königs geworden!“
„Mag Hannover so brillant sein, als es sein kann,“ versetzte der Baron düster; „angenehmer habe ich nie eine Stadt gefunden, als es zu meiner Zeit war. Gewiß findet man selten so gute und liebenswürdige Fürsten, als den Herzog von Cambridge und die Herzogin!“
„Ihr Andenken lebt in dem Herzen aller Hannoveraner fort!“
„Das schönste Denkmal, das Fürsten sich setzen können! Aere perennius!“
„Was ich gerne an den Hannoveranern leiden mag,“ nahm Herr Kriegmann das Wort, „ist, daß sie wirklich eine unbegrenzte Liebe zu ihrem Vaterlande und unter sich haben. Uns war es heute nicht möglich Ihnen ein Wort abzugewinnen, mein Fräulein, und mit dem Landsmann geht das Gespräch munter fort.“
„Meinen Sie das? Nun so schlimm ist es wohl nicht — aber, in der That, ich freue mich immer, wenn ich von Hannover sprechen kann. Geht es Ihnen nicht ebenso?“
„Gewiß,“ antwortete der Baron. „Wenngleich ich lange Zeit nicht in Hannover war, so interessirt mich doch jedes Wort, das ich über Hannover höre. Wir Hannoveraner sind einmal ein eigener Schlag Menschen und kleben an der Scholle, am Alten. Es läßt sich nicht leugnen, daß man in Hannover ein angenehmes Leben führt. Man scherzt, man lacht, man tanzt, macht den hübschen Damen die Cour und lebt fröhlich und wohlgemuth. Pedanterie kennt man nicht, und die langweiligen Geschwätze über Religion, gemischte Ehen, Kirchenstreitigkeiten, wie hier und im Holsteinschen, kennt man dort nicht. Ferner ist ein Hauptzug unseres Vaterlandes, daß fast alle Hannoveranerinnen hübsch, viele schön sind. Dieses Compliment macht ihnen sogar Lady Montague und meine liebenswürdige Nachbarin bestätigt durch sich selbst die Wahrheit unseres Ausspruchs.“
Fräulein Adeline nahm diese Schmeichelei lächlend hin.
„Ich muß Ihnen wohl im Namen meiner Landsmänninnen meinen Dank sagen,“ sprach sie, „übrigens muß ich Sie ersuchen, wenn sie noch einige Schmeicheleien in Petto haben sollten, mir diese leise in das Ohr zu flüstern, denn in Hamburg ist das nicht Mode. Ich würde sie auch von Niemand anhören, als von einem Hannoveraner.“