„Du hast uns nur eine kurze Skizze Deiner Reise erzählt. Es scheint mir, als wenn Du dieselbe recht gut weiter ausarbeiten und sie dann mit der Fortsetzung Deiner Memoiren dem Publiko mittheilen könntest. Deine Memoiren haben überhaupt den Fehler, daß man nicht weiß, was aus dem Helden des Dramas wird.“
„Ein sehr natürlicher Grund, weil bis jetzt noch nichts aus ihm wurde!“
„Etwas, welches mir beinahe unglaublich bei Ihrer Erzählung erscheint, ist, daß Sie ohne Paß ganz Frankreich durchreisen konnten. Wie fingen Sie dieses an?“
„Ich schlug die Art und Weise ein, die gewöhnlich politische Flüchtlinge oder Verbrecher nicht einschlagen. Anstatt bei Nacht und Nebel, verstohlen und schüchtern zu reisen und aufzutreten, ging ich nur bei Tage, redete sogar die Gensdarmen an und entfernte dadurch allen Verdacht von mir. Außerdem bediente ich mich einer Kriegslist. An dem ersten, großen Ort, den ich passirte, ging ich in ein Cafée-Haus und fand dort einen Gensdarmen. Ich ließ mich in eine Unterredung mit ihm ein, proponirte ihm eine Partie Billard um deux petits verres; verlor, spielte quitte à deux, verlor wieder, und so ging es fort, bis mein Gensdarme den Kopf durch die Menge der petits verres, welche er gewonnen und getrunken, verloren hatte. Jetzt redete ich ihn en ancien militaire, en mon brave an, bat ihn um einige Empfehlungen an seine Kameraden von der nächsten gensdarmerie départementale, empfing sie und ging, sobald ich dort angekommen, in das Gebäude der Gensdarmerie, wo ich nach dem und dem fragte, den er mir genannt und dem er mich empfohlen hatte. So trieb ich es weiter, und auf diese Weise entwischte ich.“
„Das ist nicht übel, so wahr ich Herrmann Bleicamb heiße!“ rief der Genannte aus.
„Was mir das Angenehmste bei dieser Parforcetour war,“ bemerkte der Baron, „besteht darin, daß ich weiß, was ich zu leisten vermag. Ich glaube, ohne meine Kräfte zu überschätzen, daß, wenn es einmal darauf ankommen sollte, ich im Stande sein würde, meiner Partei zu nützen.“
„Man weiß eigentlich nicht recht, zu welcher Partei man Sie rechnen soll.“
„Ich bin ein „adeliges Phaenomen,“ wie Clemens Gerke mich nennt. Ich halte es mit dem Regenten, weil ich finde, daß wir nicht reif, nicht rein, nicht sittlich genug für eine Republik sind; ich liebe und vertheidige die Rechte des Volkes, weil ich den Menschen schätze, und ihn nicht zu einer Maschine, zu einem Sclaven herabgewürdigt wissen will. Vor allem aber bin ich ein Freund der Ordnung. Nur der Staat kann gedeihen, nur der König kann glücklich sein, auf welche folgende Verse passen:
„Wo geschützt in jeder Sphäre
Arbeit, Kunst und Wissenschaft,