Frei, im Segen der Altäre,

Ihm sein Reich zum Eden schafft.“

Diese Verse sind von dem berühmten Reinhard, französischen Gesandten am Bundestage. Er dichtete sie zu der Krönung Carl X. Er ist todt, lebt aber in dem Gedächtnisse aller Bieder-Männer und in der Leichenrede fort, welche der famose Talleyrand ihm hielt, in welcher dieser sagt: daß die Basis der Diplomatie Redlichkeit sei.“

„Sein ganzer diplomatischer Lebenslauf, sein zweideutiger Charakter widerlegen diesen Ausspruch.“

„Es war eine Phrase!“ bemerkte ich.

„Wahrscheinlich!“ unterbrach mich Hippias. „Es läßt sich aber nicht leugnen, daß Talleyrand der klügste Mann seiner Zeit war. Selbst Napoleon wurde von ihm überlistet. Der weiseste von allen jetzt lebenden Staatsmännern ist ohne Frage der Fürst Metternich.“

„Wie kannst Du das zu äußern wagen?“ fuhr ich fort, als Hippias schwieg. „Ein Buch, das zu Gunsten des Fürsten Staatskanzlers, von dem der Deutsche Bund regiert wird, eine Erwähnung enthält, wird von keinem Republikaner, keinem Anhänger des jungen Deutschlands gelesen werden! Ich bemerke nur dieses, weil ich, wie Du weißt, unsere Tour und unsere Unterhaltungen niederschreiben werde.“

„Das kann mir einerlei sein. Jeder Mann, er gehöre zu welcher Partei er wolle; er sei Aristokrat, Republikaner, Carlist oder Christinos, Anhänger des Absolutismus oder der Constitution, ist in meinen Augen achtungswerth, wenn er consequent in seinen Handlungen bleibt, wenn er sein ganzes Leben einer Ansicht widmet, und seine Grundsätze durchzuführen versteht ohne zu niedrigen Mitteln seine Zuflucht zu nehmen.“

„Ihre Ansicht ist die meine,“ versetzte der Baron. „Die meisten politischen Ansichten werden durch Geburt, Erziehung, durch die Umgebung gebildet; meistentheils durch den persönlichen Vortheil bedingt. Ein edler Republikaner ist in meinen Augen ebenso achtungswerth, als ein guter, edler Royalist. Mir ist nur der Egoist verächtlich und der Intolerante. Es ist lächerlich die guten Seiten eines Mannes nicht anerkennen zu wollen, weil seine politischen Farben von den unsrigen abweichen. Ich liebe Berryer, nicht minder Odilon-Barrot.“

„Und nun genug Politik, meine Herren!“ rief Herrmann Bleicamb. „Wie Hippias mir sagte, ist es heute der letzte Tag, den wir zusammenbleiben. Darum lustig! Wir wollen uns amüsiren! Der alte Cafée taugt nichts! Wenn man den Abend vorher viel gegessen und getrunken hat muß man was Warmes genießen. Laßt uns zu Unbescheiden auf dem breiten Giebel gehen. Da giebt es was um den Magen zu kuranzen! Austern, frische Häringe, Caviar und alle Sorten Fleisch. Seid Ihr es zufrieden?“