„Ihr werdet aus diesem Allen den Gemüthszustand der armen Fanny erkannt haben. In ihrem Herzen war der Kampf der Liebe mit den Vorschriften ihres Glaubens. Die erstere siegte. Fanny wurde jetzt von Tage zu Tage ernster; sie saß stundenlang, ohne den schönen Blick von mir zu wenden. In ihrem Auge drückte sich ein Gefühl aus, was sie empfand, ohne es zu kennen.
Fanny war mit mon Cousin nach St. Cyr gegangen. Die Krautkrämerin, bei welcher Fanny ihren Hut zu lassen pflegte, hatte mit Fanny über mon Cousin gesprochen. Sie hatte ihr gesagt, daß mon Cousin vor einigen Tagen bei ihr gewesen und für Mademoiselle Grigoir einige Bonbons gefordert, daß er mit ihr über sie gesprochen und gesagt habe: „Mademoiselle Grigoir ist ein gutes Mädchen, sie ist so unschuldig, daß man sie lieben muß.“
„Mon Cousin liebt mich?“ dachte Demoiselle Grigoir. Sie war entzückt.
„Wenn mon Cousin mich liebt,“ antwortete sie der Krautkrämerin, „so glauben Sie nur, auch Fanny liebt mon Cousin.“
„Die Blödsinnige!“ rief die Krautkrämerin in Gedanken. „Warum sollte er Sie auch nicht lieben, Mademoiselle,“ fuhr sie laut fort, „wenn man Sie mit anderen jungen Mädchen vergleicht, so sind Sie noch immer hübsch zu nennen.“
„Das hat mon Cousin auch meiner Mutter gesagt,“ versetzte die Creolin.
„So? Ei, ei! So weit ist es schon? Was sagt aber der Herr Pfarrer dazu? Ihr Cousin ist ein Ketzer.“
„Mon Cousin,“ erwiederte Fanny, „ist mon Cousin, das sei Ihnen genug, Madame.“
Mademoiselle Fanny Grigoir entfernte sich im heftigsten Zorne von der Krautkrämerin. Am selbigen Abend wußte ganz St. Cyr, daß Mlle Fanny Grigoir, oder die Creolin, in den Deutschen Baron verliebt sei, daß er sie wieder liebe.
An demselben Abend sagte Mlle Fanny ihrer Vertrauten, der Mlle Clairon: