„Es ist etwas sehr Unangenehmes vorgefallen, mon Cousin.“
„Was? Ist Ihre Frau Gemahlin nicht wohl?“
„Das nicht! Aber wir müssen uns trennen, mon Cousin. Die infame Welt —“
„Nun, was ist es?“
„Die Leute sagen, Sie liebten meine Tochter, sie liebte Sie. Der Ruf meiner unglücklichen Tochter ist zernichtet. Sie kennen nicht dieses Otterngezücht. Ist ein Wort gesprochen, so wird es schneller weiter getragen, als die Feder vom Winde. Mon Cousin, wir müssen uns trennen! Wer steht mir dafür, daß man nicht auch sagen würde, Sie machten meiner Frau die Cour!“
„Ihrer Frau? Wie wäre das möglich?“
„Alles ist möglich in dieser Welt,“ versetzte Herr Grigoir. „Unglücklicher Vater, der ich bin!“
Nach dieser Unterredung wurde ausgemacht, daß ich mich nach einem andern Orte begeben solle. Ich willigte gerne ein. Der häusliche Friede war gestört. Wo Mißtrauen herrscht, da ist kein Glück mehr zu finden. Herr Grigoir verließ uns denselben Abend, um in Toulon Alles zu meiner Abreise vorzubereiten. Ich blieb mit Madame Grigoir, ihrer Tochter und Clairon allein zu Hause. Wir aßen zu Abend. Fanny war ihrer selbst nicht mächtig. Mit dem Ausdrucke der glühendsten Leidenschaft hing sie an meinen Blicken. Sie verschlang jedes meiner Worte. Sie war furchtbar aufgeregt. Mit zitternder Stimme sagte sie mir gute Nacht.
Madame Grigoir, Clairon und ich begaben uns in verschiedenen Zimmern zur Ruhe. Es war eine mondhelle Nacht; die schwarzen Cypressen vor dem Hause erschienen in gespenstischer Beleuchtung wirklich unheimlich. Ich war eben im Begriffe einzuschlafen, als die Thüre aufging und eine Gestalt in das Zimmer trat.
„Wer ist da?“ rief ich erschreckt.