„Dann reisen Sie mit mir in das Hannoversche, wenn Sie sonst nichts an Hamburg fesselt.“
„Durchaus nichts. Was soll ich aber dort?“
„Leben, arbeiten, schreiben und nützen.“
„Glauben Sie, daß ich dort es vermögte?“
„Gewiß! Schlagen Sie ein! Mein Wagen ist gepackt. Wir werden sogleich reisen.“
„Eine Stimme aus meinem Vaterlande ruft mich, Aristipp! Wer wäre der Mann, der dieser Euphonie widerstehen könnte!“
„Folge diesem unwillkührlichen und richtigen Gefühle. Holstein ist nur Deine Stiefmutter. Die ersten Ansprüche an unsere Kräfte, an unsere Thätigkeit, auf unsern Kopf und Arm hat stets das Vaterland!“
„Brav gesprochen!“ rief der Doctor. „Verlieren Sie diese Ansicht nie aus Ihren Gedanken, junger Mann. Schreiben Sie nach diesen Grundsätzen, wenn anders Sie nicht in einer bürgerlichen Stellung oder in Staatsdiensten Ihrem Vaterlande nützlicher sein können oder wollen. Hüten Sie sich aber wohl mit diesem Gefühle für das Vaterland vor der lächerlichen Sucht, die innere Ordnung in demselben, die Staatsmaschine durch Neuerungen oder Reformen, wie man es nennt, verbessern zu wollen. Die Staatsmaschine mag in Bewegung gesetzt werden oder in den Händen von wem es wolle sein — darauf kommt es nicht so sehr an, als darauf, daß jeder einzelne Staatsbürger nur einen Zweck vor Augen habe, nämlich: das Bestreben durch Sittlichkeit, Mäßigkeit und Ordnung in seinem eignen Lebenswandel, durch Gehorsam gegen die Gesetze sich selbst zu einem würdigen Mitgliede der ungeheuren Kette auszubilden, welche von dem Ersten des Landes bis zu dem Letzten Alle zu einem thätigen, patriotischen Ganzen verknüpfen sollte. Die erste Pflicht des Patrioten ist ein gewissenhafter, moralischer Lebenswandel, eine richtige Erkenntniß seiner Position, seiner Pflichten gegen die Menschheit und das Vaterland, und hauptsächlich das stätige Bestreben, als edler Mann zu handeln, und nie ohne Ueberlegung zu Werke zu gehen.
Und nun, leben Sie wohl! Sie hatten früher in mir wohl nur den Mephistopheles erkannt. Die Erbärmlichkeit der meisten Menschen verleiht uns nach langjähriger Erfahrung eine gewisse Bitterkeit, eine spöttelnde Ironie, ein unnatürliches Wohlgefallen, den Menschen schlecht und erbärmlich handeln und schildern zu sehen und zu hören. Die innere Ansicht jedoch, die innere Stimme erwacht, sobald die geringste Anregung von außen sie weckt. Das größte Glück, welches einem Menschen werden kann, ist der Umgang mit braven, edlen, rechtschaffnen Männern. Merken Sie sich das.“
Ich begleitete den Baron und den Doctor bis an den Wagen. Sie stiegen ein. Der Wagen rollte fort. Gipsy flog bellend voran! — —