Die Gesellschaft wurde sehr munter; man sang, tanzte, jubelte, lachte und trank, und die Männer wurden fast alle ein wenig berauscht. Bei Voluda zeigte sich dies letztere nur als eine höhere Begeisterung, die seinem edleren Leben die Hülle der Gewöhnlichkeit entzog. Gegen neun Uhr mußte man auf den Rückweg denken, weil mehrere aus der Gesellschaft zum Begräbniß eines Jünglings geladen waren, der — der einzige Sohn, die einzige Hoffnung seiner armen Mutter — vor wenig Tagen, bei dem Baden im Fluß, ertrunken war.

Gesellen Sie sich zu uns, bat Voluda, und dieser Einladung folgend, ließ sie sich von ihm in das kleine Boot heben, in welchem er mit Weber nachgekommen war. Sie saß neben diesem; Voluda ihr gegenüber — vor und hinter ihnen tönte lauter Jubel des Gesanges und der Lust, und so zogen sie den stillen, silberhellen Fluß entlang, auf dem so zart der Widerschein des Abendrothes lag, dem Begräbniß eines Jünglings entgegen, dessen Leben derselbe Fluß vor Kurzem in eine betrügerische Tiefe hinab gezogen hatte. Natalie fühlte das mit tiefer Bewegung. Ernst und schweigend blickte sie in die Abendröthe, als Weber sie mit der Frage weckte: giebt es in der Natur noch etwas Schöneres, als die Stille eines solchen Abends?

Mit einem Blick voll Seele und Empfindung, antwortete sie leise: ja, mein Freund, dieselbe Stille in uns!

Voluda blickte sie hier lange an. Das Gespräch verstummte; schweigend glitten sie weiter, und nur erst nahe vor der Stadt fiel er wieder in den Gesang der übrigen Gesellschaft ein, die Schillers unsterbliches Lied, an die Freude, angestimmt hatte, und als er sang:

Was den großen Ring bewohnet

Huldige der Sympathie!

reichte er Natalien die treue, feste Hand, die nie aus Wankelmuth und leerer Vergessenheit losgelassen hatte, was sie ergriff, und behielt die ihre auch, als sie anlandeten.

Aus der Ferne leuchteten ihnen schon die Fackeln des Leichenzugs entgegen. Die Gesellschaft vertheilte sich, um ihn bequemer vorbeiziehen lassen zu können. Voluda schlug Natalien vor, ihn in der Kirche ankommen zu sehen, und abgesondert von den übrigen, trat sie mit ihm in den hohen Dom, dessen finstre Kreuzgänge, im schauerlichen Halbdunkel der angezündeten Kerzen, sich endlos vor ihnen auszudehnen schienen. —

Einzelne schwarz gekleidete Gestalten wallten, jede einsam, unten im Schiff der Kirche umher — von der Orgel hallte zuweilen ein verlorner Ton durch das weite Gewölbe hin. Einsam neben Voluda auf einem dunklen Chor, zog sich diese Masse von Halbdunkel und Finsterniß, wie die heilige Nacht des Grabes, um Natalien her, und erschütterte ihre Seele in allen ihren Tiefen. —

Und hier an dieser Stätte, umgeben von den ernsten, feierlichen Bildern des Todes und des Grabes, begann ein Gespräch, wie es allein aus jener heiligen Tiefe des Gemüths, die nur Gott und die Liebe zu erhellen vermögen, in den Weihestunden des höheren Lebens hervorzugehen vermag.