Krampfhaft faßte er ihre Hände: Sprich es, sprich es nur aus, damit alles schnell ende, es war Voluda, in dessen Armen ich dich eben sah — ja — sagte sie bewegt, er war es. —
O so lebe wohl — mache dir nie Vorwürfe — sey glücklich, und weine nicht um mich! —
Erstaunt über Nataliens schnelles Hinwegeilen hatte Voluda sich ihr durch die Menge nachgedrängt. Buri, der ihn erblickte, wandte sich mit den letzten Worten rasch um, und stürzte aus der nahen Thüre. Von der höchsten Seelenangst gefoltert, floh ihm Natalie nach — sie ereilte ihn am Ende des dichtbelaubten Ganges — Barbar, rief sie, in seine Arme stürzend, habe ich das um dich verdient! — Sie rang, ihm die Pistole zu entreißen, deren Anblick ihre Ahndung seines Vorsatzes zur grauenvollen Wirklichkeit machte — das Gewehr ging los, und sinnlos stürzte sie zur Erde. —
Als sie erwachte, fand sie sich in Voludas Armen wieder — Buri lag zu ihren Füßen, und netzte ihre Hände mit seinen heißesten Thränen. Sie wollte sich aufrichten, sprechen, — aber tödlich ermattet sank sie zurück.
Wer Sie auch sind, mein Herr, sagte Voluda gefaßt und ernst, und in welchem Verhältnisse Sie auch zu dieser Dame stehen, so ist es doch in diesem Augenblick Ihre erste Pflicht, sie zu schonen, und diesen Auftritt der Deutung unsrer Gesellschaft zu entziehen. Soll ich Sie nach Hause bringen, theure Natalie? fragte er, sich sanft zu ihr wendend. Sie winkte ihm ihr ja zu, und reichte Buri die Hand: wir sehen uns morgen wieder; gelobst du das?
Bei Allem was mir heilig ist! —
Die zurückgebliebene Gesellschaft näherte sich hier; Buri entwich unbemerkt in einen Nebengang, und eine Anwandlung von Uebelbefinden mußte Nataliens schnelle Entfernung aus dem Zimmer, und ihre Blässe, entschuldigen. Stumm wankte sie, von Voluda mehr getragen als geführt, zu Hause. Auch er schwieg — vielleicht schonend — vielleicht zürnend. Sie drückte beim Abschied seine Hand innig an ihr Herz, und zwey große schwere Thränen, die einzigen die sie vergoß, rollten auf sie hinab, dann eilte sie in ihr Zimmer, um, fern von allen Blicken, die Tiefe ihres Schmerzes zu ergründen.
Aber ihr Körper war so angegriffen, ihre Nerven so erschüttert, daß sie, betäubt und krankhaft verworren, keines Gedankens, noch weniger eines Entschlusses oder des Ueberblickes ihrer Lage, fähig war. Sie war ein ganz hingegebenes, widerstandloses Opfer des Grames, der ihre Seele füllte.
Unbeschreiblich ermattet und erblaßt stand sie am andern Morgen mit dem Bewußtseyn auf, dieser Tag werde über ihre ganze irdische Zukunft entscheiden, und sie sey so niedergedrückt, so geknickt an Geist und Seele, daß diese Entscheidung durchaus kein Werk ihrer Willkühr, sondern nur das Resultat fremder Einwirkung seyn werde.
Elise war mit noch einer Freundin bei ihr im Zimmer, und ängstlich um sie besorgt, als nach eilf Uhr Voluda hereintrat. Rasch, ohne die Anwesenden zu begrüßen, gieng er auf Natalien zu, und drückte ihre Hand an seine Lippen: Ich komme, Ihnen Lebewohl zu sagen; noch heute reise ich nach Schweden ab.