Die Seele der Braut bebte vor den Gefahren und der Ungewöhnlichkeit dieser Schritte zurück. Sie weinte, zagte — doch vergebens suchte ihr Natalie ihren Muth, ihre Begeisterung, und ihren festen Vorsatz, das Leben an die Rettung des geliebten Mannes setzen zu wollen, einzuhauchen. —
Ich bin sein, rief sie händeringend aus, und will gerne Vaterland und alles verlassen, um ihm zu folgen, sobald er dort angesiedelt ist — aber ihn aus seinem Kerker entführen helfen und ihn auf seiner Flucht begleiten — nein, das kann ich nicht. Meine Angst würde mich tödten.
Nun, sagte Natalie, so unternehme ich es allein. Ich rette Ihren Verlobten, oder —
Hier stürzte sich Lotte in ihre Arme und ergoß sich in den feurigsten Danksagungen. Natalie staunte bei dieser Mischung von Liebe und Schwäche — aber ihr Herz schlug froher und stolzer bei dem Gedanken, um wie viel inniger sie den Werth des seltenen Mannes zu würdigen wußte.
Was soll ich ihm denn von Ihnen bringen? fragte sie beim Abschied.
Sagen Sie ihm, daß ich ihn liebe und ihm treu bleiben werde, und dann bringen Sie ihm dies. Es war ihr Gemälde, das sie für ihn schon früher hatte malen lassen. Sie schnitt jetzt auch eine ihrer schönen, blonden Haarlocken ab, und gab sie Natalien, die beide Gaben an ihrem Herzen verbarg. Aber Sie, fuhr sie fort, wer sind denn Sie, die Sie mir als ein Engel der Rettung erscheinen, wo jede Hoffnung verloren war?
Eine längst von Voluda vergeßene, und nie von ihm geliebte Freundin, sagte Natalie still betrübt, und drückte sie sanft weinend an ihr Herz. Gott lasse mir seine Rettung gelingen — und dann gedenkt meiner zuweilen, wenn Ihr glücklich seyd. —
Zwei Tage darauf kam sie in S. an. Sie ließ sich bei Victorinen melden, und ward von ihr mit jubelndem Entzücken aufgenommen. Zitternd und todtenbleich sank sie bei ihrem Eintritt vor ihr nieder. Ich komme, sagte sie ihr in Tönen, denen kein Herz zu widerstehen vermochte, Dich an eine Schuld zu mahnen, die Du jetzt mit der Seeligkeit meines Lebens lösen kannst. —
Aufschreiend vor Schmerz, sie in diesem Zustand zu sehen, sank Victorine neben ihr nieder, und flehte sie an, nur zu reden, und auf sie zu rechnen im Leben und im Tode.
Da vertraute ihr Natalie ihre Liebe und ihren Schmerz, und ihren festen Entschluß, Voluda zu retten, oder hier mit ihm zu sterben.