Zögernd und ungern verliess ich Malacca, um einen Dampfer von Singapore nach Borneo zu benutzen; es wurde mir schwer, mich von den lieben Freunden zu trennen, die ich hier zurückliess und wohl nicht wiedersehen werde.
Malacca, die Hauptstadt des gleichnamigen Gebiets, liegt 2° 14' N, 112° O v. Gr., das Klima ist trotz der Nähe des Aequators und der geringen Meereshöhe gesund und angenehm. Der Thermometer schwankt zwischen 17 und 24° R., der Barometer zwischen 29° 8' und 30° 3' Engl. Wie Singapore liegt auch Malacca ausserhalb der Monsuns, daher die Sicherheit seiner Rhede.
Die Stadt soll im zwölften Jahrhundert gegründet worden sein durch einen Fürsten von Singapore, den wahrscheinlich die Siamesen vertrieben hatten. Sie erhob sich schnell zu grosser Bedeutung, und war bei Ankunft der Portugiesen 1509, der reichste Handelsplatz in jenen Meeren, viel besucht von Schiffen aus China, Japan, den Philippinen, den Inseln des Archipels, Vorderindien und Arabien. Namentlich hatte sie zu jener Zeit grosse Wichtigkeit als Stapelplatz der damals in Europa so geschätzten Gewürze. Die Stadt soll über 150,000 Einwohner gehabt haben. Die Portugiesen machten bald nach ihrem Erscheinen diesen Zuständen ein Ende, indem sie alle Schiffe, deren sie habhaft werden konnten, kaperten, und Schifffahrt und Handel verscheuchten. Im Jahre 1511 eroberte Albuquerque die Stadt, plünderte, verbrannte sie und tödtete nach der eigenen Angabe der Portugiesen den grössten Theil der Einwohner, auch Frauen und Kinder. Die Portugiesen behielten Malacca 130 Jahre lang und machten sich unglaublicher Grausamkeiten und Treulosigkeiten schuldig. An die Stelle des früher so blühenden Handels trat ein drückendes Monopol. Im Jahre 1641 fielen nach mehreren vergeblichen Versuchen Stadt und Gebiet den Holländern in die Hände, denen es 1795 die Engländer abnahmen, aber 1818 zurückgaben. 1825 kam Malacca abermals an die Engländer, in Folge des bereits früher erwähnten 1824 in London geschlossenen Vertrages, durch welchen die Streitigkeiten, die aus der Nebenbuhlerschaft der Engländer und Holländer in jenen Meeren entstanden waren, zeitweis ausgeglichen wurden. England tauschte Sumatra gegen Malacca aus; die Holländer erkannten Singapore definitiv den Engländern zu, und beide Mächte verständigten sich dahin, dass die Strasse von Singapore die Grenze ihres beiderseitigen Wirkungskreises bilden solle. Dieser Vertrag ist aber noch fortwährend eine Quelle von Streitigkeiten. Nach der holländischen Auslegung sind die Engländer von allen Inseln des Archipels südlich von der Strasse von Singapore ausgeschlossen, nach der englischen Deutung nur von den unmittelbar südlich von Singapore etwa bis Banca gelegenen Inseln.[51]
In Bezug auf die Handelspolitik machten es die Holländer nicht besser als ihre Vorgänger. Nicht nur der Anbau von Kolonialprodukten, sogar der des Reises, obgleich er fast das einzige Nahrungsmittel der Bevölkerung bildet, war zu Gunsten der Produktion Javas und der Molukken verboten, Grund und Boden fast werthlos, Entvölkerung und Verarmung die natürlichen Folgen so brutaler Gesetze; dennoch behielt die Stadt Malacca immer noch einen ziemlichen Handel, als einziger Stapelplatz für die Produkte der umliegenden malayischen Staaten. Durch das Anlegen einer englischen Kolonie auf Pulo-pinang 1786, namentlich aber durch die Gründung des soviel günstiger gelegenen Freihafens Singapore am Ende der östlichen Meerenge hat sich auch dieser Handel von Malacca gänzlich fort nach jenen beiden Punkten, besonders nach dem letzteren gezogen.
Auch der Ackerbau obgleich jetzt von allen barbarischen Fesseln befreit, macht doch nur sehr geringe Fortschritt und beschränkt sich fast auf den Reisbau. Das Land ist zwar ziemlich reichlich bewässert, wo dies der Fall ist, nicht unfruchtbar und wenn die einheimischen Arbeitskräfte nicht ausreichen, so bietet das nahe Singapore deren in Fülle, so wie es auch ein bequemer Markt für die gewonnenen Produkte ist. Aber bis zur Einführung der neuen Landakte 1863, wurden Kapital und Unternehmungsgeist von Malacca ferngehalten, weil die Regierung den Käufern von Ländereien keine endgültigen Besitztitel geben konnte. In neuester Zeit hat die Bereitung des Tapioka (Stärkemehl der Jatropa Manihot) in Mehl und Perlform solchen Aufschwung genommen, dass sie bereits mit Ausnahme des Zinns den Hauptausfuhr-Artikel der Kolonie bildet. Dieser Erwerbszweig ist ganz in den Händen der Chinesen, wie die Bereitung des Sagos in Singapore. Der Preis des Tapioka ist 3 Doll. für Mehl, 4 Doll. für Perlen per Pikul, während Sago durchschnittlich 2 Doll. als Mehl, 3 Doll. in Perlen kostet. Auch mit Zuckerbau sind einige Versuche gemacht worden, jedoch nur im Kleinen.
Von den Inländern wird Palmenzucker (djaggeri) aus Cocospalmen zum Verbrauch in Malacca und in Singapore gewonnen; für weiteren Export ist er nicht geeignet, da sich bei der rohen Bereitungsart der grösste Theil des ursprünglichen Rohrzuckers in Traubenzucker verwandelt. Der bekannte holländische Chemiker de Vrij hat gefunden, dass der Saft der in Java so verbreiteten Arengpalmen, wenn bei seinem Einsammeln die gehörige Vorsicht angewendet wird, um der so schnell eintretenden Gährung vorzubeugen, keinen andern als reinen Rohrzucker enthält, der durch einfaches Abdampfen krystallisirt erhalten werden kann. Sehr wahrscheinlich verhält sich der Saft der Cocos-, Nipa- (s. S. 12), Palmyra- (Borassus flabelliformis) und anderer Palmen ebenso. Zur Gewinnung des Djaggeri wird die Blüthenscheide der Palme, bevor sie aufbricht, zusammengebunden und ihre Spitze abgeschnitten, der ausquellende Saft in Bambusen aufgefangen und in flachen, eisernen Pfannen eingesotten. Ein- oder zweimal täglich wechselt man die Bambusen und schneidet zugleich eine feine Scheibe des Blüthenkolbens ab, da sich durch das Verdicken des Saftes an der Luft die Kanäle verstopfen (ein Baum liefert jährlich 12–20 ℔ Zucker). Man trinkt den Palmensaft auch frisch oder gegohren und bereitet Essig und Branntwein (Arak) daraus. Dieser Arak schmeckt in Folge des mangelhaften Destillationsverfahrens sehr schlecht und ist nicht zu verwechseln mit dem in Europa beliebten Batavia-Arak, dessen Darstellung in Raffles' History of Java beschrieben wird. Häufiger als der Saft werden die Früchte der Cocospalme ausgebeutet, ihre Hauptverwendung ist zu Oel. — Man versichert in Malacca allgemein, dass eine im vollen Ertrag stehende Pflanzung das Anlagekapital jährlich mit 100% verzinst; danach begreift man nicht, warum nicht viel mehr Cocospalmen gepflanzt werden, wenn sie auch vor dem 4ten oder 5ten Jahr kaum Früchte tragen und erst im 9ten oder 10ten Jahre vollen Ertrag geben. Schliesslich verdient Erwähnung, dass man sich in Malacca zum Pflücken der Nüsse besonders abgerichteter Affen bedient, denen man vermittelst einer Leine, deren eines Ende an ihrem Halsband befestigt ist, signalisirt, ob die von ihnen berührte Nuss abgerissen werden soll oder nicht. Ich habe dies aber nicht selbst gesehen.