[35] Bekanntlich erfahren viele der nach monatelanger Reise in Europa anlangenden Schiffe erst in der engen Strasse zwischen England und der Insel Wight ihre schliessliche Bestimmung. Ohne dass sie ihre Fahrt zu unterbrechen oder ein Boot an's Land zu senden brauchten, theilt ihnen der Agent ihres Rheders gewöhnlich von Cowes aus durch Flaggensignale mit, nach welchem Hafen sie steuern sollen, um ihre Ladung auf den vortheilhaftesten Markt zu bringen. Daher kehren die meisten Schiffe aus Ost-Asien mit der Bestimmung „Cowes for orders” heim.
[36] Nur 2 holländische Schiffe durften jährlich zwischen Decima und Batavia verkehren.
[37] Es ist auffallend, wie wenig Franzosen bis jetzt als grosse Kaufleute in Ostasien vorhanden sind. — In Singapore befindet sich nur ein einziges französisches Haus von einiger Bedeutung. Engländer, Amerikaner und Deutsche sind es, die an der Spitze aller grossen Handelshäuser stehen. In Saigon ist der Handel hauptsächlich in Händen der Chinesen. Die grössten europäischen Handelshäuser daselbst sind deutsche.
[38] 1864 betrug die Zahl der in den 13 Häfen ein- und ausgelaufenen nicht chinesischen Schiffe 17,976 von 6,635,505 Tons. Davon gehören 2,862,234 Tons der englischen, 2,609,390 Tons der amerikanischen und 380,135 Tons der hamburger Rhederei, der Rest vertheilt sich auf 20 verschiedene Nationen. Der Einfuhrhandel von Shanghai allein stieg (nach dem Bericht des englischen Ministers in Peking) von 41,000,000 taels in 1860, dem Jahr vor Eröffnung des Yantsekiang und der nördlichen Häfen, auf 81,000,000 taels in 1863 (1 tael ist etwa 2 Thlr.).
[39] Nach dem Prospekt würde die neue Gesellschaft im Stande sein, die Kohle für 25 sl. nach Singapore zu liefern, so dass ihr bei 40 sl. ein hinreichender Gewinn verbliebe.
[40] Die Wichtigkeit, den Geschmack der Eingebornen zu berücksichtigen, wird vielleicht in keinem Lande mehr verkannt, als in Deutschland. Häufig kommen in den ostasiatischen Handelsplätzen grosse Kisten mit Fabrikaten an, die durchaus werthlos sind, weil auf den Geschmack der Konsumenten, auf das Format, das Gewicht und die Art der Verpackung gar keine Rücksicht genommen ist, wenn auch die Waare an und für sich vielleicht die Konkurrenz aushielte. Es ist ein sonderbarer Dünkel solcher Fabrikanten, zu glauben, dass die Käufer sich in ihre Launen fügen sollen, und zeugt von gänzlicher Unkenntniss der bestehenden Verhältnisse. Ueberall, wo es Frauen giebt, sind wechselnde Moden — selbst im Innern von Afrika. Alle Völker, die für andere fabriziren wollen, müssen auf das Sorgfältigste den Geschmack derselben studiren. Die Engländer haben dies längst eingesehen und geben sich grosse Mühe, dennoch wird es ihnen schwer, im Innern von China gegen die Konkurrenz der amerikanischen Fabriken aufzukommen, denen es gelungen zu sein scheint, die nationale Geschmacksrichtung mit solchem Glück zu treffen, dass sie in gröberen Baumwollenwaaren den dortigen Markt beherrschen.
Die Schweizer, die keinen direkten Seehandel treiben können, haben es nur ihrem fleissigen Studium und grossen Takte zuzuschreiben, wenn sie ebenbürtig mit den grössten Fabrikstaaten konkurriren. In den Philippinen sind manche Artikel ausschliesslich in ihrer Hand. Ein befreundetes Schweizerhaus in Manila hielt eine Anzahl geschickter Mestizen als Musterzeichner, die der wechselnden Mode immer auf der Spur waren und liess nach ihren Zeichnungen in der Schweiz, in China und in Italien die Baumwollen- oder Seidenstoffe anfertigen, die dann auch immer bei den koketten Mestizinnen den grössten Anklang fanden. Den Languti, das in Siam gebräuchliche Lendentuch, nachzuahmen, ist noch Keinem gelungen. Schweizer, schottische und englische Häuser haben schon Tausende darauf verwendet — bisher vergeblich; die gelieferten Stoffe sind vielleicht besser oder billiger als die einheimischen, entsprechen aber noch nicht genau dem Geschmack.
[41] Nach dem Geschäftsbericht vom 5. Decbr. 1865 besass sie 63 Schiffe von 92,353 tons und 18,270 Pferdekraft, die im letzten Jahre einen Weg von etwa 1,500,000 Seemeilen zurückgelegt hatten (fast in jeder Woche 11/2 mal so viel als der Erdumfang beträgt).
[42] Die Portugiesen in Hinterindien und China sind grösstentheils so verkommen, dass sie Europäern oder ihren Abkömmlingen nicht gleich geachtet werden. Auch haben sie sich in allen Stufen mit allerlei fremdem Blut vermischt, so dass Menschen von reinem Weiss durch alle Farbentöne von gelb und braun bis zum dunkelsten Schwarz unter der allgemeinen Bezeichnung „Pottugih” zusammengefasst werden.
[43] Joss ist aus dem portugiesischen Dios in das eigenthümliche Pigeon-Englisch der Chinesen übergegangen. Daher Josshouse = Tempel, Josspaper = Goldpapier, Josssticks = Räucherstöcke, wie sie vor den Altären verbrannt oder zum Anzünden der Cigarren verwendet werden. Aus „tschin-tschin”, guten Tag, Gruss, und Joss wird tschin-tschin-joss = beten. Ich hatte in Macao einen Steinmetz gedungen, der mir ein unter einen Granitblock gefallenes Instrument wiederverschaffen sollte. Am nächsten Morgen sollte er sich mit mehreren Gehülfen, mit Stricken, Hebebäumen u. s. w. einstellen. Er kam pünktlich, aber allein, zündete seine Josssticks an, verbrannte Josspapier, kniete nieder und verneigte sich; ich hielt ihn für toll, aber der Bediente erklärte mir: „oh no! dat very cleber ole man, he makee chin-chin-devil-joss.” Leider half es nichts.