»Dein Arm ist wund vom Druck der Kette! So! leg ihn hier auf meinen Nacken, o du mein alles.«
»Vorwärts, Wallada! Rasch! es gilt das Leben.«
Da bogen sie aus dem Dickicht des Hains ins Freie. Das Ufer des Flusses war erreicht. Wachis trieb sein bäumendes Pferd in die dunkle Flut. Das Thier scheute und widerstrebte. Der Freigelassene sprang ab. »Er geht sehr tief, sehr reißend. Es ist Hochwasser seit drei Tagen. Die Furt ist nicht zu brauchen.
Die Gäule müssen schwimmen und stark rechts abwärts wird’s uns reißen. Und es sind Felsen im Fluß. Und das Mondlicht wechselt so oft und täuscht.« – Ratlos prüfte er am Ufer hin und her.
»Horch, was war das?« fragte Rauthgundis. »Das war nicht der Wind in den Steineichen.«
»Pferde sind’s,« sagte Witichis. »Sie nahen in Eile. Ja, wir sind verfolgt. Waffen klirren. Da – Fackeln. Jetzt hinein in den Strom auf Leben und Sterben. Aber leise!«
Und er führte sein Pferd am Zügel in die Flut.
»Kein Bodengrund mehr. Die Gäule müssen schwimmen.
Halte dich fest an der Mähne, Rauthgundis. Vorwärts, Wallada!«
Schnaubend, zitternd, blickte das Thier in die schwarze Flut – die Mähne flog wirr kopfüber – die Vorderfüße vorgestreckt, den Hinterbug zurückgehemmt.