Hier dürfte eine kurze Bemerkung am Platze sein. Unter Henide versteht Weininger das Verschmolzensein von Denken und Fühlen in Eins, im weiteren Sinne aber die unentwickelten, primitiven psychischen Data. Nach Weininger liegt es im Begriffe der Henide, dass sie sich nicht näher beschreiben lässt; trotzdem giebt er von derselben eine Reihe von Charakteren an. „Sie unterscheidet sich von dem artikulierten Inhalt d. h. der entwickelten Vorstellung durch den geringeren Grad an Bewusstheit, den Mangel an Reliefierung, durch das Verschmolzensein von Folie und Hauptsache, durch den Mangel eines Blickpunktes im Blickfelde.“ Ich will hier nicht näher auf die Henidentheorie Weiningers eingehen, auch mich nicht mit einer Prüfung der Frage aufhalten, wieweit die von ihm behaupteten Unterschiede im Vorstellen von Mann und Frau den thatsächlichen Verhältnissen entsprechen, sondern lediglich das Jongleurkunststück hervorheben, das er am Schlusse seiner Erörterungen über das männliche und weibliche Bewusstsein ausführt. Während der scharfe Logiker zunächst dem Weibe mit dem Denken in Heniden nur ein minder scharfes Denken zuerkennt, spricht er ihm gleich darauf das Bewusstsein überhaupt ab. Wäre Weininger psychologisch ungebildet, so könnte man diese Behauptung auf Mangel einer richtigen Vorstellung über das Phänomen des Bewusstseins zurückführen. Er war aber genügend psychologisch geschult, um zu wissen, was unter bewusst und unbewusst wissenschaftlich zu verstehen ist, und so charakterisiert sich seine Behauptung als ein Nonsens, vor dem er lediglich deshalb nicht zurückscheute, weil er ihm als Anknüpfungspunkt für weitere ähnliche ungeheuerliche Aufstellungen zu dienen geeignet erschien.

Nachdem also Weininger bis zu der Erkenntnis der Unbewusstheit des Weibes vorgedrungen, schiebt er ein grosses Kapitel über das Wesen des Genies ein. Er setzt sich sogleich ins gehörige Licht als der endgültige Löser auch dieser schwierigen Frage, indem er mit der ihm nun einmal eigenen Bescheidenheit verkündet: „Alle bisherigen Erörterungen über das Wesen des Genius sind entweder biologisch-klinischer Natur und erklären mit lächerlicher Anmassung das bischen Wissen auf diesem Gebiete zur Beantwortung der schwierigsten und tiefsten psychologischen Fragen für hinreichend. Oder sie steigen von der Höhe eines metaphysischen Standpunktes herab, um die Genialität in ihr System aufzunehmen.“ Weininger giebt die Lösung, wie nach dem bisher Entwickelten zu erwarten: „Es ist das geniale Bewusstsein am weitesten vom Henidenstadium entfernt; es hat vielmehr die grösste, grellste Klarheit und Helle. Genialität offenbart sich hier bereits als eine Art höhere Männlichkeit und darum kann W nicht genial sein.“ Selbstverständlich ist W auch nicht in der Lage, das Genie auch nur im entferntesten zu verstehen. „Den Frauen gilt der geistreiche als der geniale, Nietzsche als der Typus des Genies. Und doch hat, was mit seinen Einfällen jongliert, alles Franzosentum des Geistes mit wahrer geistiger Höhe nicht die entfernteste Verwandtschaft.“ Man sieht hier bereits klar, dass Weininger sich selbst für das Genie par excellence hielt, als er jenes Kapitel schrieb, nach dem logischen Schlusse, der sich auch aus seinen eigenen Worten ergiebt, dass wohl nie ein Weib im stande sein werde, ihn zu verstehen.

Des weiteren verfügt W „nur über eine Klasse von Erinnerungen: es sind die mit dem Geschlechtstrieb und der Fortpflanzung zusammenhängenden.“ „Da das Weib ohne Kontinuität ist, kann es auch nicht pietätvoll sein; in der That ist Pietät eine durchaus männliche Tugend“. „Damit nämlich, ob ein Mensch überhaupt ein Verhältnis zu seiner Vergangenheit hat oder nicht, hängt es ausserordentlich innig zusammen, ob er ein Bedürfnis nach Unsterblichkeit fühlen, oder ob ihn der Gedanke des Todes gleichgültig lassen wird.“ Daraus folgt: „Den Frauen geht das Unsterblichkeitsbedürfnis ab.“ Nun geht es bereits über in mystische Gefilde. Man beachte die Art des logischen Konstruierens in den folgenden Sätzen; sie ist durchaus typisch für die ganze Art Weiningerschen Denkens; in dem Kapitel „Begabung und Gedächtnis“ heisst es: „Der Wert ist also das Zeitlose; und umgekehrt: ein Ding hat desto mehr Wert, je weniger es Funktion der Zeit ist, je weniger es mit der Zeit sich ändert. In alles auf der Welt strahlt sozusagen nur soviel Wert ein, als es zeitlos ist; nur zeitlose Dinge werden positiv gewertet. Dies ist, wie ich glaube, noch nicht die tiefste und allgemeinste Definition des Wertes und keine völlige Erschöpfung, doch das erste spezielle Gesetz aller Werttheorie.“ Nun: „Die Thaten des Genius leben ewig; an ihnen wird durch die Zeit nichts geändert.“ Genie ist aber höchst potenzierte Männlichkeit, also ist nachgewiesen, dass M zeitlos, ewig ist. Ganz zwanglos ergiebt sich das; für W natürlich das Gegenteil.

Im nächsten Kapitel „Gedächtnis, Logik, Ethik“ steht dann unser Taschenkünstler der Logik nicht an zu erklären: „Die Frau erbittert die Zumutung, ihr Denken von der Logik ausnahmslos abhängig zu machen. Ihr mangelt das intellektuelle Gewissen. Man könnte bei ihr von „logical insanity“ sprechen.“ Beim Weibe kann man ferner „nicht von antimoralischem, sondern nur von amoralischem Sein sprechen. Das Weib ist amoralisch.“ So ähnlich wie das Völkerchaos von H. St. Chamberlain, wo sich diese Gegenüberstellung findet. Im 11. Kapitel „Männliche und weibliche Psychologie“ geht Weininger mit „eherner Geschlossenheit“, wie einer seiner Verehrer schrieb, an die äussersten Konsequenzen. „Worum es sich handelt, ist in Kürze dies. Es wurde gefunden, dass das logische und das ethische Phänomen, beide im Begriff der Wahrheit zum höchsten Werte sich zusammenschliessend, zur Annahme eines intelligiblen Ich oder einer Seele als eines Seienden von höchster hyperempirischer Realität zwingen. Bei einem Wesen, dem wie W das logische und ethische Phänomen mangeln, entfällt auch der Grund, jene Annahme zu machen. Das vollkommen weibliche Wesen kennt weder den logischen noch den moralischen Imperativ und das Wort Gesetz, das Wort Pflicht, Pflicht gegen sich selbst, ist das Wort, das ihm am fremdesten klingt. Es ist der Schluss vollkommen berechtigt, dass ihm auch die übersinnliche Persönlichkeit fehlt. Das absolute Weib hat kein Ich, keine Seele!“ Nun könnte wohl jemand einwenden, das absolute Weib sei ja nur eine logische Hypothese, während die existierenden Frauen alle nicht absolute Weiber seien, sondern doch zum mindesten ein dürftiges Körnchen M in sich herumtragen; Weininger macht aber da selbst keinen exakten Unterschied und wirft diese Begriffe immer wieder durcheinander, was u. a. auch aus einem späteren Passus über die rechtliche Gleichstellung beider Geschlechter klar hervorgeht. Es wird feierlich verkündet: „Die Frau kann nie zum Manne werden ... während es anatomisch Männer giebt, die psychologisch Weiber sind, giebt es keine Personen, die körperlich weiblich und doch psychisch Männer sind.“ Konsequent nach Weiningers Theorie gedacht, müsste man glauben, dass es doch so sein müsste; aber hier kann er eben die Mathematik nicht brauchen.

Das Mitleid des Weibes wird ins Reich der Fabel verwiesen. Der Beweis, dass das Mitleid keine weibliche Tugend sei, ist höchst einfach: „Im alten Weib ist nie (!) auch nur ein Funke jener angeblichen Güte mehr und so liefert das Greisenalter der Frau den indirekten Beweis, wie all ihr Mitleid nur eine Form sexueller Verschmolzenheit war, selbst wenn es auf ein gleichgeschlechtliches Wesen sich bezog.“ Es kommt aber noch besser. „Der absolute Beweis für die Schamlosigkeit der Frauen liegt darin, dass Frauen untereinander sich immer ungescheut völlig entblössen, während Männer voreinander stets ihre Nacktheit zu bedecken suchen ... Der einzelne Mann hat kein Interesse für die Nacktheit des zweiten Mannes, während jede Frau auch die andere Frau in Gedanken stets entkleidet und dann hierdurch die allgemeine interindividuelle Schamlosigkeit des Geschlechtes beweist.“ Der zwanzigjährige „Grosse“ muss eigentümlichen Verkehr gehabt haben; diese Behauptungen werden ihm doch sicher nur die allerkritiklosesten seiner Verehrer nachbeten können. Aber auch hier zeigt sich auch wieder aufs durchsichtigste die Art, wie Weininger denkt; um die allgemeine Schamlosigkeit der Frauen (NB.! nicht des absoluten W also) folgern zu können, muss er die Behauptung als bewiesen aufstellen, dass sich die Frauen ungeniert voreinander entblössen, die Männer dagegen nicht.

In einem grossen Kapitel „Mutterschaft und Prostitution“ vernichtet dann Weininger auch noch das letzte, was ein „hausbackener“ Mensch zur Verteidigung der Frau anführen könnte: Mutterschaft und Mutterliebe, und zwar, wie man zugeben muss, ganz konsequent logisch ausgehend von seinen falschen Voraussetzungen, die er sich absolut willkürlich zurecht gelegt, um zu dem mystischen Ziele zu gelangen, das sich nun allmählich enthüllt. Die Frauen zerfallen nach Weininger in zwei Klassen: Dirnen und Mütter; die Anlage hierzu sei von Geburt an organisch in jeder Frau vorhanden. Ich lasse hier eine Blütenlese der in dem Kapitel, das Moebius ekelhaft nennt, angesammelten Behauptungen und Schlüsse folgen:

„In der That muss ich die allgemeine Ansicht, welche ich lange geteilt habe, völlig verfehlt nennen, die Ansicht, dass das Weib monogam und der Mann polygam sei. Das Umgekehrte ist der Fall.“ Besser, es muss der Fall sein, sonst würde es ja nicht zur Rechnung passen. „Für die Frau ist der Ehebruch ein kitzelndes Spiel, in welchem der Gedanke der Sittlichkeit gar nicht, nur die Motive der Sicherheit und des Rufes mitsprechen. Es gibt kein Weib, das in Gedanken ihrem Manne nie untreu geworden wäre, ohne dass es darum dieses auch schon sich vorwürfe. Denn das Weib geht die Ehe zitternd und voll unbewusster Gier ein und bricht sie, da es kein der Zeitlichkeit entrücktes Ich hat, so erwartungsvoll und gedankenlos, wie es sie geschlossen hat.“ „Das Verhältnis der Mutter zum Kinde ist in alle Ewigkeit ein System von reflexartigen Verbindungen ..... eine nie unterbrochene Leitung zwischen der Mutter und allem, was je durch eine Nabelschnur mit ihr verbunden war: das ist das Wesen der Mutterschaft, und ich kann darum in die allgemeine Bewunderung der Mutterliebe nicht einstimmen, sondern muss gerade das an ihr verwerflich finden, was an ihr so oft gepriesen wird, ihre Wahllosigkeit.“ Das Höchste leistet er dann mit den Worten: „Ihre Stellung ausserhalb des Gattungszweckes stellt die Hetäre in gewisser Beziehung über die Mutter, soweit dort von ethisch höherem Standort überhaupt die Rede sein kann, wo es sich um zwei Weiber handelt.“ (!) „Nur solche Männer fühlen sich von der Mutter angezogen, die kein Bedürfnis nach geistiger Produktivität haben. Bedeutende Menschen haben stets nur Prostituierte geliebt.“ In einem späteren Kapitel heisst es auch: „Unendlich viel in der Frauenbewegung ist nur ein Hinüberwollen von der Mutterschaft zur Prostitution; sie ist als ganzes mehr Dirnenemancipation als Frauenemancipation und sicherlich ihren wirklichen Resultaten nach vor allem ein mutigeres Hervortreten des kokottenhaften Elementes im Weibe.“ Weiter: „Die Sensationen des Koitus sind prinzipiell keine anderen Empfindungen, als wie sie das Weib sonst kennt; sie zeigen dieselben nur in höchster Intensifikation; das ganze Sein des Weibes offenbart sich im K., aufs höchste potenziert.“ „Der lügt oder hat nie gewusst, was Liebe ist, der behauptet, eine Frau noch zu lieben, die er begehrt: so verschieden sind Liebe und Geschlechtstrieb. Darum wird es auch fast immer als eine Heuchelei empfunden, wenn einer von Liebe in der Ehe spricht.“ „Ich möchte sogar sagen, es gibt nur platonische Liebe. Denn was sonst noch Liebe genannt wird, gehört in das Reich der Säue.“ (!) Man wird nun bereits merken, worauf die Sache hinausgeht. In dem „Erotik und Ästhetik“ betitelten Kapitel wird zunächst natürlich der Frau auch jedes Gefühl für Ästhetik abgesprochen. „Das Weib besitzt keinen freien Willen und so kann ihm auch nicht die Fähigkeit verliehen sein, Schönheit in den Raum zu projizieren. Damit ist aber auch gesagt, dass die Frau nicht lieben kann.“

Trotzdem Weininger der Frau den freien Willen, jene erste juristische Voraussetzung, genommen hat, betont er drei Seiten später mit rührender Naivität: „Die rechtliche Gleichstellung von Mann und Weib kann man sehr wohl verlangen, ohne darum an die moralische und intellektuelle Gleichheit zu glauben. Vielmehr kann ohne Widerspruch zu gleicher Zeit jede Barbarei des männlichen wider das weibliche Geschlecht verdammt und braucht doch der ungeheuerste kosmische Gegensatz und Wesensunterschied nicht verkannt zu werden. Denn der tiefstehendste Mann steht noch unendlich hoch über dem höchststehenden Weibe.“ Wo hier wohl die Logik bleibt? Das Weiningersche weibliche Wesen ist ja forensisch absolut unzurechnungsfähig; eine freie Willensbestimmung ist ja total ausgeschlossen; man müsste schleunigst über sämtliche Frauen Kuratel verhängen. Man denke sich nur ein solches Weib nach Weininger als Zeugin; wie soll man sie denn als gleichberechtigt nehmen, wenn sie, „die abgrundtiefe Verlogenheit“ repräsentierend, doch erst weit hinter dem tiefstehendsten Manne kommt? Ein Weib mit starkem W-Gehalt würde einem kompletten Idioten gleichkommen. Wenn Weininger konsequent gewesen wäre, hätte er das weibliche Geschlecht ausnahmslos aus dem Gerichtssaale verbannen müssen.

Um hinter den eigentlichen Zweck des weiblichen Seins zu kommen, führt Weininger in einem Kapitel „das Wesen des Weibes und seine Stellung im Universum“ fort, müsse von einem Phänomen ausgegangen werden, das, so alt und bekannt es sei, noch nirgends und niemals einer Beachtung oder gar Würdigung wert befunden worden sei. Es sei das Phänomen der Kuppelei, welches den eigentlichsten, den tiefsten Einblick in die Natur des Weibes gestatte. „Das Bedürfnis selbst k....[3] zu werden, ist zwar das heftigste Bedürfnis der Frau, aber es ist nur ein Spezialfall ihres tiefsten, ihres einzigen vitalen Interesses, das nach dem K.... überhaupt geht, des Wunsches, dass möglichst viel, von wem immer, wo immer, wann immer k...... werde.“ „Mit Verheirateten (Männern) wird darum so selten Ehebruch begangen, weil diese der Idee, welche in der Kuppelei liegt, bereits genügen.“ „Es lässt sich absolut nichts anderes als die positive allgemeine weibliche Eigenschaft prädizieren als die Kuppelei, das ist die Thätigkeit im Dienste der Idee des K...... überhaupt.“ Das System entwickelt sich, wie man sieht. „Wenn Weiblichkeit Kuppelei ist (und das hat der Philosoph ja eben bewiesen), so ist Weiblichkeit universelle Sexualität. Der Geschlechtsverkehr ist der höchste Wert der Frau; ihn sucht sie immer und überall zu verwirklichen.“ Demnach erhält das Weib Existenz und Bedeutung nur, indem der Mann sexuell wird. Damit ist die Stellung des Weibes im Universum fixiert; sie ist lediglich Verkörperung der allgemeinen Sexualität, die nach Weininger Unsittlichkeit ist. „Einen wahrhaft bedeutenden Menschen, der im Geschlechtsverkehr mehr sähe, als einen tierischen, schweinischen, ekelhaften Akt oder gar in ihm das tiefste heiligste Mysterium vergötterte, wird es, kann es niemals geben“, ruft er aus. Dementsprechend kann er z. B. von Wilhelm Bölsche gar nicht verachtungsvoll genug reden: „Die grosse Vereinigung von natürlicher Zuchtwahl und natürlicher Unzuchtswahl, deren schmählicher Apostel sich Wilhelm Bölsche nennt“ schreibt Weininger einmal. Mit so absoluter Sicherheit predigt er seine Lehre, dass er sich zu der Behauptung versteigen kann: „Es ist klar, dass wenn auch nur ein einziges, sehr weibliches Wesen innerlich asexuell wäre oder in einem wahrhaften Verhältnis zur Idee des sittlichen Eigenwertes stünde, alles was hier von der Frau gesagt wurde, seine allgemeine Gültigkeit als psychisches Charakteristikum ihres Geschlechtes sofort unmittelbar verlieren müsste.“ „Das absolute Weib, dem Individualität und Wille mangeln, das keinen Teil am Werte und an der Liebe hat, ist vom höheren transscendenten, metaphysischen Sein ausgeschlossen. Die intelligible, hyperempirische Existenz des Mannes ist erhaben über Stoff, Raum und Zeit; in ihm ist Sterbliches genug, aber auch Unsterbliches. Und er hat die Möglichkeit zwischen beiden zu wählen: zwischen jenem Leben, das mit dem Tode vergeht und jenem, für welches dieser erst eine Herstellung in gänzlicher Reine bedeutet.“ „Der Mann birgt in sich die Möglichkeit zum absoluten Etwas (= Gott) und zum absoluten Nichts ... Das Weib sündigt nicht; denn es ist selbst die Sünde als Möglichkeit im Manne. Der reine Mann ist das Ebenbild Gottes, des absoluten Etwas, das Weib, auch das Weib im Manne, ist das Symbol des Nichts: Das ist die Bedeutung des Weibes im Universum und so ergänzen sich Mann und Weib.“ „Die Frauen haben keine Existenz und keine Essenz; sie sind nicht, sie sind nichts. Man ist Mann oder man ist Weib, je nachdem man wer ist oder nichts.“ „Das Weib ist nicht Mikrokosmos; es ist nicht nach dem Ebenbilde der Gottheit entstanden. Ist es also noch Mensch? Oder ist es Tier? Oder Pflanze?“ Es kann mir natürlich nicht einfallen, mich des Langen über diesen Unsinn zu ergehen; diese Sätze sprechen ja wohl für sich selbst. Ich kann es aber dem Leser nicht ersparen, mit mir weiter durch diese Flut von Unsinn zu waten; denn nur so entwickelt sich das ganze System Weiningers klar. Ich bin selbst mehrmals daran gewesen, die Feder wegzulegen, weil mir meine Zeit leid that; nur der Gedanke, vielleicht doch etwas zu nützen, liess mich dann weiterfahren. Moebius sagt, beim 13. Kapitel habe „die Übelkeit über seinen guten Willen gesiegt.“ Man wird ihm dies nachfühlen können; wers nicht kann, dem ist wohl nicht zu helfen. Nach dieser kleinen Pause will ich weiter an die Arbeit gehen.

Weininger proklamiert also: Das Weib besitzt keine Seele. „Vielleicht hat der Mann bei der Menschwerdung durch einen metaphysischen, ausserzeitlichen Akt das Göttliche, die Seele, für sich allein behalten?“ Nun kommt das dicke Ende. Das Weib, die Verkörperung des Bösen, ist eine Folge des männlichen Wunsches nach dem K...., folglich eine Schuld des Mannes; das Weib muss also erlöst werden. Alles, was Weininger bisher gesagt, war nur die Einleitung zur Hauptsache, zur Erlöseridee des Weibes. Weininger als der Erlöser! „Darum ist dieses Buch die grösste Ehre, welche den Frauen je erwiesen worden ist.“ Es ist allerdings recht schwierig, das arme Weib nun zu erlösen, nachdem es so tief gestürzt worden ist; man sollte sogar glauben, als Verkörperung des Nichts, sei es nicht wandlungsfähig; das scheint aber nur so; ein Taschenspielerkunststückchen und dann ein bischen Logik und die Sache ist gemacht; man höre: „Das Weib ist nichts und darum, nur darum, kann es alles werden; während der Mann stets nur werden kann, was er ist.“ Und nun zur Erlösung: