„Ach ja,“ sagte sie, indem sie sich auf ein kleines Sofa niederließ und uns gleichfalls zum Sitzen einlud — „ach ja, diesen Namen hab’ ich wohl schon gehört. Aber es ist mir, als sollt’ ich Sie auch persönlich kennen —“

Nun war der peinliche Augenblick gekommen, den ich vorausgesehen und trotz der Versicherungen Frauenlobs gefürchtet hatte. Ich erwiderte daher etwas kleinlaut: „Allerdings haben wir einander schon öfter gesehen — und zwar in Döbling, wo ich seit einer Reihe von Jahren wohne.“

„Ja, ja, gewiß — in Döbling“, entgegnete sie hastig, während ihre etwas gelbliche Gesichtsfarbe langsam in eine dunkle Röte überging. „Ich entsinne mich sehr genau. Und da kennen Sie ja gewiß auch meine ganze Geschichte und werden sich nicht wundern, mich in ganz anderen Verhältnissen —“

Ich hatte mich inzwischen gefaßt und trachtete so rasch wie möglich über dieses Thema hinwegzukommen, das sie allem Anscheine nach doch nicht so vollständig gleichgültig ließ, wie Frauenlob behauptet hatte.

„Ich wundere mich über gar nichts, gnädige Frau,“ sagte ich in bestimmtem und dabei sehr ehrerbietigem Tone; „höchstens über das eine, daß Sie unter die Schriftstellerinnen gegangen sind.“

„Mein Gott,“ sagte sie aufatmend mit einem Lächeln; „weiß ich doch selbst kaum, wie ich dazu gekommen bin. Ich hatte ja früher an so etwas gar nicht gedacht und auch sehr wenig gelesen. Im vorigen Jahre sind mir aber ganz zufällig ein paar Bücher in die Hand gekommen, die auf mich großen Eindruck gemacht haben. Aber auch da fiel es mir nicht ein, selbst zu schreiben; erst als mein — Mann für einige Zeit verreisen mußte und ich ganz allein blieb, erst da überkam es mich. Und zwar ganz plötzlich; — ohne vieles Nachdenken habe ich die Geschichte hingeschrieben.“

Das entsprach ganz meinen Voraussetzungen, und ich freute mich über das unbefangene Eingeständnis. Unwillkürlich fühlte ich mich versucht, auf unsere allererste Begegnung anzuspielen und so zu erfahren, ob sie sich meiner auch aus jener fernen Zeit noch erinnere. Wäre ich mit ihr allein gewesen, würde ich es jedenfalls getan haben, so aber hielt mich die Gegenwart meines Begleiters zurück, und ich schwieg.

„Ich legte auch anfangs gar kein Gewicht darauf,“ fuhr sie nach einer Pause fort; „es war mir eine bloße Zerstreuung — eine Herzenserleichterung gewesen. Später aber zeigte ich die Blätter einer Bekannten, und diese meinte, ich sollte sie zu verwerten trachten; es gäbe jetzt so viele Frauen, die mit derlei Geld erwerben. Sie bot mir ihre Vermittelung an — und Ihr — Freund hier —“ sie wies auf Frauenlob — „war so liebenswürdig, ein günstiges Urteil zu fällen.“

Dieser warf sich auf seinem Stuhle in die Brust. „Nur nach Verdienst, Frau Elsa“, sagte er.

„Also auch Sie meinen,“ sprach sie langsam, indem sie schüchtern ihren Blick auf mich richtete, „auch Sie meinen, daß die Sache —“