„Sie haben es doch gehört!“ unterbrach sie der andere, ungeduldig die langen Haare schüttelnd.

Ich befand mich nun wieder in einiger Verlegenheit.

„Ihre Leistung ist jedenfalls eine sehr interessante,“ hob ich gewissermaßen zögernd an, „und mit einigen Änderungen, die daran vorgenommen werden müssen —“

„Das werde ich alles besorgen!“ rief Frauenlob. „Auch die Herausgabe! Der Erfolg kann nicht ausbleiben, Frau Elsa, und wenn Sie sich fernerhin meiner Leitung anvertrauen, so ist Ihnen eine bedeutende Zukunft gewiß.“

Sie blickte zweifelnd vor sich hin. „Glauben Sie wirklich?“ fragte sie dann nachdenklich, mehr gegen mich gewendet. „Ich hätte da so vieles zu lernen. Und woher sollte ich die Zeit nehmen? Wir leben, wie Sie sehen, in beschränkten Verhältnissen — und mein Mann ist sehr verwöhnt; ich habe alle Hände voll zu tun, um unsere Häuslichkeit seinen Bedürfnissen gemäß einzurichten. Er würde es nicht besonders gerne sehen, wenn ich mich anderweitig beschäftigte“ —

„Danach haben Sie nicht zu fragen!“ sagte Frauenlob in scharfem, erzieherischem Tone. „Die Hörigkeit der Frau ist Gott sei Dank vorüber — und Sie müssen sich neben Ihrem — Gemahl eine selbständige Stellung schaffen.“

„Mein Gott, daran denk’ ich ja gar nicht“, erwiderte sie zerstreut; es war, als horche sie dabei aus dem Zimmer hinaus. „Und dann — er hat nun einmal eine Abneigung gegen schreibende Frauen.“

„Das müssen Sie ihm eben abgewöhnen — müssen ihn eines Besseren belehren!“

Sie erwiderte nichts und hatte offenbar die letzten Worte nur mehr mit halbem Ohr vernommen. Dann rief sie plötzlich: „Da kommt er!“

Draußen war heftig an der Klingel gerissen worden, und durch die Küche, wo sich schon früher die Anwesenheit einer Magd bemerkbar gemacht hatte, trat jetzt Röber ein. Er mußte seine hohe Gestalt unter der Tür um so mehr bücken, als er den Hut auf dem Kopfe behielt. Erst in der Mitte des Zimmers nahm er ihn zögernd ab, wobei sein Blick überrascht und befremdet auf mich gerichtet blieb.