Wir hatten uns erhoben.

„Der Herr Doktor hat uns einen angenehmen Besuch mitgebracht, Leo,“ sagte Elsa, und der Ton ihrer Stimme hatte dabei etwas flehend Unsicheres, „einen berühmten Schriftsteller. Vielleicht kennst du den Herrn vom Sehen.“

Er blickte mich unverwandt an und sagte, ohne eine Miene zu verziehen, mit einer leichten Verbeugung: „Habe nicht die Ehre“. Hierauf machte er eine halbe Wendung und fuhr, nach uns zurück sprechend, fort: „Die Herren werden schon entschuldigen. Ich bin seit heute morgen auf den Beinen und muß mir’s bequem machen.“ Er war bei diesen Worten auf eine Seitentür zugeschritten, öffnete sie und verschwand in einem kleinen Zimmer, das offenbar als Schlafgemach benützt wurde.

„Er ist wirklich sehr in Anspruch genommen“, bestätigte Elsa, die ihm, wie ihn bedauernd, nachgeblickt hatte. Dann begab sie sich mit einer kurzen Entschuldigung in die Küche, um, wie sie sagte, nach dem Tee zu sehen.

Ich spürte nun großes Verlangen, fortzugehen und sah meinen Begleiter fragend an. Dieser aber schien durchaus nicht gewillt, das Feld zu räumen; er lehnte sich vielmehr mit einer Art verbissenen Trotzes in den Stuhl zurück und streckte die Beine von sich.

Jetzt trat auch schon die Hausfrau wieder ein, in jeder Hand eine kalte Schüssel tragend. Die Magd folgte mit allerlei Zubehör. Dann wurde der kochende Teekessel gebracht; später folgte ein großer, mit Bier gefüllter Glaskrug.

Inzwischen war Röber gleichfalls zum Vorschein gekommen. Er hatte sich in einen langen, abgetragenen Schlafrock gehüllt, der Spuren früherer Eleganz aufwies; an den Füßen trug er bequeme Hausschuhe.

„Die Herren werden es nicht übel nehmen,“ begann er in herablassendem Tone, als verzeihe er uns, daß wir möglicherweise an seiner Bekleidung Anstoß nehmen könnten, „die Herren werden es nicht übel nehmen, daß ich so vor ihnen erscheine. Allein wie gesagt, ich fühle mich überangestrengt — und zudem leide ich schon einige Zeit an den Füßen.“

„Ach ja!“ fiel Elsa ein. „Und es will auch gar nicht besser werden. Hast du heute vielleicht wieder stärkere Schmerzen?“ forschte sie ängstlich.

„Nun, nicht gerade das. — Aber,“ fuhr er mit einer Wendung nach dem Tische fort, „ich sehe, es ist alles bereit. Die Herren sind unsere Gäste?“