„Gewiß werden sie uns das Vergnügen machen“, sagte Elsa einladend.

Was konnte ich tun? Um irgend eine stichhaltige Ausrede zu ersinnen, war es zu spät und somit der günstige Augenblick, mich zu entfernen, versäumt; ich mußte mich also mit an den Tisch setzen.

Elsa machte mit zuvorkommender Aufmerksamkeit die Wirtin, während Röber, einem sichtlichen Bedürfnisse folgend, sehr ungezwungen den Schüsseln zu Leibe ging. Erst jetzt konnte ich ihn mit voller Aufmerksamkeit betrachten. Auch in seinem Äußeren zeigte sich eine große Veränderung. War Elsa in den letzten Jahren körperlich verfallen, so hatte er hingegen verhältnismäßig zugenommen. Aber es war nicht die blühende Überfülle der Gesundheit und Kraft, sondern jene blasse und weichliche Aufgedunsenheit, welche so vielen Menschen anhaftet, die ein unregelmäßiges und dabei sorgenvolles Leben führen. Dies konnte man besonders in seinem Gesichte wahrnehmen, dessen Züge derart verquollen waren, daß die früher so ungemein schönen dunkelgrauen Augen kaum mehr zur Geltung gelangten. Er rasierte das Kinn nicht, sondern trug einen sehr kurz gehaltenen Vollbart, der ihm übel ließ und in welchem sich schon zahlreiche Silberfäden bemerkbar machten; auch zeigte sich über der Stirn stark zunehmende Kahlheit. Der ganze Mann sah in der Tat sehr verkommen aus.

Eben jetzt langte er eine Kartoffel auf seinen Teller und während er die noch leicht dampfende in vier Teile zerlegte und verkühlen ließ, eröffnete er, sichtlich in behaglicherer Stimmung, das Gespräch.

„Sie wollen also,“ begann er, sich gleichsam an uns beide wendend, mit ironischer Verziehung der Mundwinkel, „Sie wollen also meine El—sa—“ er sprach den Namen mit satirisch übertriebener Betonung aus — „à tout prix zur Dichterin machen?“

„Machen?“ rief Frauenlob mit scharfer Stimme. Er schien nur auf einen Angriff gewartet zu haben, und seine kleinen, grünlichen Augen blitzten kampflustig. „Machen? Wie sollte man das anstellen, wenn es nicht schon wäre?“

„Ich weiß,“ erwiderte der andere vornehm, indem er ein Kartoffelstück aufnahm: „poeta nascitur. Aber man kann auch jemanden in etwas heineinreden.“

„Was hätte man davon?“ entgegnete Frauenlob, geringschätzig das Haupt zurückwerfend.

„Ganz richtig, was hätte man davon? Wenn auch Elsa Begabung besitzt — woran ich übrigens gar nicht zweifeln will — so bleibt doch das Ganze eine höchst unnütze Sache.“

„Aber man kann doch damit verdienen, Leo“, warf Elsa schüchtern ein.