Röber lachte laut auf. „Verdienen? Mit der Schriftstellerei? Ha! Ha!“

„Erlauben Sie,“ schrie Frauenlob heftig, während ich dem Mann im stillen nicht unrecht gab, „das ist eine Behauptung, die nur beweist, wie sehr Sie in Ihren Anschauungen zurück sind. Es ist ja wahr, früher einmal mußten selbst die größten Geister darben; heutzutage jedoch kann man mit der Feder sehr viel erwerben.“

„Als Journalist vielleicht. Übrigens ist das viel oder wenig Ansichtssache. Wenn ich Summen in Betracht ziehen soll, so müssen es Hunderttausende sein.“

„Sie geben es nicht billig!“ lachte Frauenlob mit giftigem Hohne. Er hatte im Eifer eben das dritte Glas Bier hinuntergestürzt, und sein knochiges, breites Gesicht, das stets ungesund gerötet war, begann bläulich zu leuchten.

„Das ist meine Sache“, erwiderte Röber mit ruhigem Stolz, und zum ersten Male glänzten seine Augen wieder hell und groß auf. „Die Herren Poeten pflegen beständig von ihren Idealen zu sprechen; auch andere Leute haben welche. Das meine ist ein sehr großes Vermögen, ein Ideal, das so ziemlich jedes andere in sich schließt.“

„Aber auch um so mehr Ideal bleibt!“ rief der Gegner bissig.

„Je nach Umständen. Das kann Ihnen schon die große Anzahl bedeutender Kapitalisten zeigen, die es in der Welt gibt. — A propos, Lisi,“ fuhr er mit einem Blick auf die Hausfrau fort, „ich habe heute gute Nachrichten mitgebracht. Die Sache in Bulgarien scheint endlich in Fluß kommen zu wollen.“

„Wirklich! Wirklich!“ rief sie, überrascht und vor Freude errötend, aus der peinlichen Verlegenheit heraus, die sie bei diesem Wortwechsel begreiflicherweise überkommen hatte. „Wirklich?“ wiederholte sie jetzt, wie von einem unwillkürlichen Zweifel ergriffen, etwas kleinlaut und gedehnt.

Er hatte sich inzwischen den Mund gewischt und, ohne uns zum Rauchen aufzufordern, eine Zigarette angezündet.

„Ja, wirklich, mein Kind. Gut Ding braucht eben Weile, und ich begreife, daß es dir schon etwas zu lange dauert. Aber es sei dir vergeben. Und wenn alles so kommt, wie ich hoffe, dann kannst du zu deinem Vergnügen blaustrümpeln.“