„Nun, nun,“ erwiderte der Freiherr scherzhaft, indem er sich unter dem tapferen Sandwirte niederließ, „ich werde noch ganz eifersüchtig werden auf dieses Buen Retiro, welches überdies so einsam gelegen ist, daß du mir ganz leicht eines Tages geraubt werden kannst.“
„O ich fürchte mich nicht!“ lachte sie. „Du weißt, wie ängstlich ich bin; aber hier fühle ich mich so sicher, wie in deinen Armen.“
Sie hatte sich zu ihm gesetzt, und beide blickten nun schweigend durch eine offenstehende Flügeltür in das leuchtende Grün hinein, das draußen über dem Geländer des Ganges zum Vorschein kam. Eine Biene surrte ins Zimmer herein und umkreiste langsam einen Strauß von Wiesenblumen, der, offenbar von Klothilde gepflückt, in einer altmodischen Vase vor ihnen stand.
Plötzlich erklang in der Ferne der schrille Ton einer Glocke.
„Wie rasch die Zeit vergeht!“ rief Klothilde. „Man läutet schon zu Tisch.“
„Offen gestanden, mir nicht ganz unerwünscht“, sagte der Freiherr, indem er sich erhob. „Ich spüre bereits die Wirkungen der Landluft.“
So verließen sie denn das kleine Haus und schritten gemächlich, die schattigsten Laubgänge wählend, dem Schlosse zu.
„Wenn es dir recht ist,“ sagte Klothilde, indem sie sich zutraulich an seinen Arm hängte, „so machen wir nachmittags gleich unseren ersten Gang in den Wald. Wie lange schon haben wir ihn nicht mehr betreten! Willst du?“
„Gewiß,“ erwiderte er; „alles was du willst.“
Bald darauf betraten sie das Eßzimmer im Erdgeschosse. Es war ein kühler, weit gewölbter Raum, wo sich das Paar allerdings etwas vereinsamt ausnahm. Ein würdig aussehender Kammerdiener reichte mit zeremoniellem Ernst die Speisen dar.