„Man kommt“, sagte der Freiherr, indem er sich erhob und dem nunmehr Eintretenden, welchem der Kammerdiener die Tür geöffnet hatte, entgegenging.
Auch Klothilde stand auf und richtete die Augen scheu auf die hohe, männlich schlanke Gestalt, die der knapp anliegende weiße Uniformrock sehr vorteilhaft hervorhob.
„Gestatten Sie, Exzellenz,“ begann der Graf, indem er sich leicht verbeugte und die schöne Frau mit einem raschen Blick streifte, „gestatten Sie, daß ich mich persönlich vorstelle. Es hat sich nun einmal gefügt, daß wir in Ihren Burgfrieden einbrechen mußten, und es braucht wohl keiner Versicherung, daß ich selbst an dieser unliebsamen Störung keine Schuld trage.“
Der Freiherr erwiderte einige verbindliche Worte und bat den Grafen, Platz zu nehmen.
„O ich weiß,“ sagte dieser, während er sich in einem Fauteuil niederließ und Klothilde, die sich auf das Sofa gesetzt hatte, ganz und voll ins Auge faßte, „ich weiß und begreife sehr wohl, daß derlei Überfälle höchst lästig sind. Aber was will man tun? Man muß sie eben wohl oder übel hinnehmen. Sie dürften übrigens“, fuhr er, den Kopf hochmütig zurückwerfend, fort, „nicht allzuviel zu leiden haben. Meine Dragoner sind ehrliche Mährer, also im ganzen stille und zurückhaltende Leute, die mit ihren heimischen Mehlklößen vollständig zufrieden sind. Und was meine Person betrifft, so bitte ich, auf mich nicht die geringste Rücksicht zu nehmen. Ich habe nur sehr wenige Bedürfnisse und führe das Notwendigste, wenn es nur einigermaßen angeht, stets mit mir. Speisen werde ich unten an der Wirtstafel mit den Offizieren. Sie sehen also,“ schloß er, stolz ablehnend, „daß ich außer der höchst angenehmen Wohnung, die Sie mir zur Verfügung gestellt, auf Gastfreundschaft durchaus keinen Anspruch mache.“
Eine Pause trat ein, die der Freiherr mit der Frage unterbrach, woher das Regiment komme.
„Aus Italien, wo wir so ziemlich unnütz waren, da die Kavallerie in den sumpfigen Reisfeldern keine rechte Verwendung finden konnte. Nun, Papa Radetzky ist trotzdem mit den Italienern fertig geworden. Wir sollten hierauf mit anderen Truppen unter Haynau nach Ungarn marschieren. Unterwegs aber erhielt das Regiment Order, hierher zu rücken. Es bereitet sich wohl etwas gegen Preußen vor; der alte Hegemoniekitzel scheint sich dort wieder zu regen.“
„Der König von Preußen hat die deutsche Kaiserkrone abgelehnt“, sagte der Freiherr im Tone leiser Zurechtweisung.
„Weil sie ihm vom Frankfurter Parlament angeboten wurde“, entgegnete der Graf mit unterdrückter Heftigkeit. „Es wäre Unsinn gewesen, sie von solcher Seite anzunehmen. Die Schwäche Österreichs ist eine weit bessere Chance, und da Kossuth und Görgei noch immer obenauf sind, glaubt man auch damit rechnen zu können. Aber das russische Bündnis wird den Dingen eine ganz andere Wendung geben. Eure Exzellenz wissen doch bereits — —?“
„Ich habe von diesem Bündnisse in den Zeitungen gelesen“, sagte der Freiherr ruhig.