„Ja, sie hat es mir gesagt.“
„Nun also!“ versetzte der Graf nach kurzem Schweigen, indem er hochmütig den Kopf zurückbog. „Wenn Sie nicht gekommen sind, Rechenschaft von mir zu fordern, dann ist auch alles weitere höchst gleichgültig. Denn Sie begreifen doch, daß Ihre Frau Gemahlin fortan vor mir sicher ist — ganz sicher!“
Diese Worte trafen den Freiherrn wie Peitschenhiebe, aber er zuckte nicht einmal mit den Wimpern. „Das begreife ich sehr wohl“, sagte er ruhig. „So einfach jedoch liegen die Dinge nicht. Was da vorgefallen, hat meine Frau derart angegriffen, daß eine dauernde Seelenstörung zu befürchten ist.“
„Die Baronin scheint sehr schwache Nerven zu haben!“ rief der Graf höhnisch.
„Ohne Zweifel. Und deshalb sehen Sie auch ein, daß ich unter keiner Bedingung von Ihnen Genugtuung fordern darf. Ich habe vielmehr, was meine Person anbetrifft, gar kein Gewicht auf die Sache zu legen und nur zu trachten, daß meine Frau sich beruhige. Sie muß vergessen lernen — und dazu ist vor allem notwendig, daß Sie nicht mehr hier sind.“
„Eine höchst eigentümliche Auffassung!“
„Gewiß, diese Auffassung ist keine alltägliche. Aber wie Sie auch darüber denken mögen, eines werden Sie nach reiflicher Erwägung klar erkennen: daß Ihnen unter allen Umständen die Pflicht erwächst, das Geschehene möglichst ungeschehen zu machen.“
Der Graf war nachdenklich geworden. Die ruhig ernste, ergreifende Sprache des Freiherrn verfehlte offenbar nicht, Eindruck zu machen. Aber bald gewann seine Natur wieder die Oberhand.
„Nein! Nein!“ rief er, sich ungestüm vom Sessel erhebend. „Ich kann mich nicht so ohne weiteres fortweisen lassen!“
„Sie werden nicht fortgewiesen. Es ist Ihr freier Entschluß, eine Änderung herbeizuführen.“