„Aber wie soll ich es anstellen?“ rief der Bedrängte ärgerlich mit dem Fuße stampfend. „Kann ich denn so Knall und Fall — —? Was würde man unten — im Kreise der Kameraden dazu sagen? Es würde Aufsehen erregen — ja man könnte sogar mutmaßen —“

„Um Mutmaßungen kümmere ich mich nicht.“

„Und jedenfalls würde man einen anderen Offizier heraufsenden. Sie kämen da vielleicht nur aus dem Regen in die Traufe!“

Der Freiherr bewegte sich auf dem Sofa, aber er sagte mit eisiger Ruhe: „Das fürchte ich nicht. Wiederholungen ereignen sich nicht so rasch nacheinander.“

Der Graf sah ihn halb erstaunt, halb verächtlich an und erwiderte nichts mehr. Denn plötzlich wurden schwere, wuchtige Tritte vernehmbar, die unter Sporengeklirr die Treppe heraufkamen.

„Es ist jemand von meinen Leuten“, sagte er jetzt. Und da nun schon mit schüchterner Plumpheit an der Tür geklopft wurde: „Herein!“

Ein stattlicher Unteroffizier trat ins Zimmer, den Helm auf dem Kopfe, die Diensttasche umgehängt. Er nahm Stellung und salutierte automatisch. Dann zog er ein großes versiegeltes Schreiben hervor und überreichte es seinem Vorgesetzten, der es erbrach. Während des Lesens nahmen die Züge des Grafen einen eigentümlichen Ausdruck an.

„Es ist gut. Sagen Sie meinem Wachtmeister, daß er die Leute zum Befehl antreten lassen soll.“ Als er mit dem Freiherrn wieder allein war, wandte er sich an diesen. „Der Zufall ist Ihnen günstig, Herr Baron. Wissen Sie, was dieses Blatt enthält? Den Marschbefehl. Wir müssen sofort zur ungarischen Armee stoßen. Morgen mit dem frühesten verlassen wir das Schloß.“

Ohne ein Zeichen der Überraschung oder der Befriedigung erhob sich der Freiherr und sagte mit einer Verbeugung: „Dann ist unsere Unterredung zu Ende. Wäre das Blatt gestern eingetroffen, so wäre sie nicht notwendig geworden.“

Kaum hatte er sich zum Abgehen gewendet, als auch schon der Hund unter dem Sofa hervorschoß und sich mit wütendem Gebell an seine Fersen heftete. Ein Fußtritt seines Herrn ließ ihn schmerzlich aufheulen. „Verdammte Bestie!“ rief der Graf mit unterdrückter Stimme, während das Tier winselnd in einen Winkel flüchtete. Allein geblieben, schritt er mit sichtlich unangenehmen Gedanken und Empfindungen im Zimmer auf und nieder. „Ach was!“ sagte er endlich, schnippte mit den Fingern und schnallte seinen Säbel um.