„Ich bringe Ihnen sogleich das Nötige. — Aber sagen Sie: halten Sie den Zustand für sehr gefährlich?“

„Es kann eine Gehirnentzündung werden. Hat die Frau Baronin in letzter Zeit eine Aufregung durchgemacht?“

Trotz seiner Selbstbeherrschung und obgleich er auf die Frage vorbereitet gewesen, fühlte der Freiherr, wie er errötete. „Sie hat sich allerdings einen Vorfall sehr zu Herzen genommen, aber —“

„Hm, ja. Kinderlose Frauen in solchem Alter und —“ er warf einen eigentümlichen Blick auf den Freiherrn. „Übrigens wer weiß, wie die Dinge zusammenhängen. Exzellenz haben ja hier oben auch Einquartierung gehabt? Nicht wahr?“

Der Freiherr konnte eine Gebärde der Betroffenheit nicht unterdrücken. „Ja, gewiß —“

„Nun also. Ich kann Ihnen nur sagen, daß seit einigen Tagen im Orte Typhusfälle vorkommen. Vielleicht haben die Dragoner etwas eingeschleppt und nun als Andenken zurückgelassen.“

Um seine Erregung zu verbergen, trat der Freiherr ins Nebenzimmer und brachte ein kleines zierliches Tintenfaß samt Feder und Papier herein.

„So,“ sagte der Doktor, nachdem er rasch ein Rezept geschrieben, „das ist alles, was ich tun kann. Im übrigen: fortgesetzte Eisumschläge, kühlende Getränke. Unter allen Umständen aber möchte ich Ihnen raten, noch einen Arzt zu Rate zu ziehen. Ich übernehme in solchen Fällen nicht gern allein die Verantwortung. Denn ich gelte, obgleich ich mein Diplom in der Tasche habe“ — er schlug dabei an die Hüfte — „in den Augen vieler Leute doch nur als Landbader. Eine Kapazität aus Prag — oder gar aus Wien hierher zu bescheiden, ist es freilich zu spät.“

„Zu spät!“ rief der Freiherr angstvoll.

„Ja; denn die Krisis pflegt oft sehr rasch einzutreten.“