„Aber eine günstige Wendung ist doch möglich?“

„Möglich, ja. Schicken Sie daher gleich einen Wagen nach Trautenau — zu Doktor Lederer. Ein Schüler Oppolzers. Er ist zwar ein sonderbarer Heiliger und wird sich spreizen — schließlich aber kommen. Allerdings kann er vor zwölf Stunden kaum da sein“, fügte der Doktor nachdenklich hinzu.

„Sie beängstigen mich aufs äußerste!“

„Na! Na! Verlieren Exzellenz den Kopf nicht. Eines muß ich Ihnen noch sagen, damit Sie nicht etwa allzu sehr erschrecken: es werden voraussichtlich schon heute Delirien eintreten. Jedenfalls komme ich abends wieder. Guten Tag!“

Mit dieser gedankenlos gesprochenen Grußformel, die ihm bei jedesmaligem Kommen und Gehen zur Gewohnheit geworden, entfernte er sich und überließ den Freiherrn einer stummen Verzweiflung.

„Mein Gott! Mein Gott! Sollte es schon soweit — und keine Rettung mehr sein?“ flüsterte endlich der qualvoll Bedrückte und begab sich mit leisen Schritten in das Krankenzimmer zurück. Er beugte sich über Klothilde, die in unruhigem Schlummer zu liegen schien, und faßte leicht ihre Hand. Bei dieser Berührung schlug sie die Augen auf und sah ihn wie fremd an. Dann aber lächelte sie, und er fühlte, wie sich ihre Finger zu sanftem Drucke schlossen.

„Wie fühlst du dich?“ fragte er.

„O, nicht schlechter“, erwiderte sie mit matter Stimme. „Nur müde, sehr müde — ich möchte in einemfort schlafen.“

„Nun, schlafe, mein Kind, schlafe“, sagte der Freiherr zärtlich. „Aber wir werden Eisumschläge machen müssen.“

„Das wird mir wohl tun“, hauchte Klothilde, während sie schon die Lider geschlossen hatte.