Inzwischen war Eis gebracht worden und der Freiherr traf selbst die ersten Anstalten. Dann überließ er dem Kammermädchen die weitere Sorge, um jetzt die Absendung des Wagens nach Trautenau veranlassen zu können. Er tat es, wie er sich selbst eingestand, ohne tröstliche Erwartung. Denn mit jener ahnungsvoll düsteren Voraussicht, welche reifen und vielgeprüften Menschen eigen ist, zweifelte er bereits an einem glücklichen Ausgange. „Ich baue auf Ihre Umsicht,“ sprach er zu dem Kammerdiener, den er mit der Botschaft an den Arzt betraute, „und weiß, daß Sie nichts verabsäumen werden.“
Dann kehrte er zu der Kranken zurück, hieß das Mädchen einstweilen sich entfernen und nahm dicht an dem Bette Platz. Klothilde schlummerte. Aber sie bewegte Kopf und Arme hin und her; ihre weißen Finger schienen von dem blauen Atlas der Bettdecke Flocken auflesen zu wollen.
Langsam, bleischwer zogen die Stunden vorüber, während draußen die Sonne tiefer und tiefer sank und ihr letztes rötliches Gold durch die Spalten der Jalousien schimmern ließ.
Was war das plötzlich? Klothilde hatte die Lippen bewegt und unverständliche Worte gemurmelt. Er glaubte, sie gälten ihm, und neigte sein Haupt tief zu dem ihren hinab. Aber sie bemerkte es offenbar nicht.
„Willst du etwas, Klothilde?“ fragte er leise.
Keine Antwort; nur erneutes, stärkeres Gemurmel — unverständliche Worte.
Sein Herz erstarrte. Die beginnenden Delirien! sprach es in ihm.
Immer unruhiger wurde die Kranke; sie warf ächzend und stöhnend den Kopf hin und her, und schien dabei mit unsichtbaren Personen zu sprechen.
Wenn er nur verstehen könnte! Und jetzt waren ihm auch einige Worte deutlich ins Ohr gedrungen. Es waren französische Worte! Sie hatten sich beide im gegenseitigen Verkehr dieser Sprache nur selten bedient; ja Klothilde hegte eine Art Abneigung dagegen, denn sie hatte sie in ihrer Jugend äußerst schwer und mühsam erlernt und später nur sehr unvollkommen beherrscht. Und jetzt — in ihrer Krankheit — in der Bewußtlosigkeit ihres Geistes griff sie danach!
„Le cheval! Le cheval!“ stieß sie jetzt, furchtbar aufschreiend, hervor und richtete sich mit halbem Leibe auf. Plötzlich aber sank sie wieder zurück, streckte sich lang aus und verblieb regungslos.