Ich reichte es ihm. Er war aber nicht imstande, es zu öffnen, und ich mußte es für ihn tun. Ein vertrocknetes Veilchenbukett lag darin. Er nahm es in die bleiche, kraftlose Hand, senkte das Haupt und betrachtete es lange. Dann sagte er mit überraschend leichter und freier Stimme: „Lieber Freund — du hast mir sehr oft mehr oder weniger deutlich zu verstehen gegeben — daß ich in einer argen Täuschung befangen gewesen.“ Er seufzte tief auf. „Mein Gott! Wenn es sich wirklich so verhielte — wenn alles nur Traum — Einbildung —“

Er verstummte wieder und atmete unruhig.

Es war zu viel! Dieser Strahl von Erkenntnis, der in dieser bangen Stunde plötzlich in ihm aufleuchtete, war von erschütternder Wirkung. Ich mußte an mich halten, um nicht in Tränen auszubrechen.

„Nein! Nein!“ rief er jetzt, all seine Kraft zusammennehmend, „es kann nicht sein! Diese Veilchen — das mußt du selbst zugestehen — denn du weißt es — diese Veilchen sind von ihr!“

Wer wäre so grausam gewesen, es zu bestreiten?

„Ja, ja,“ sagte ich, „ich weiß es, sie sind von ihr.“

Er brachte mit letzter Anstrengung den Strauß vor das Antlitz und küßte ihn. „Er sollte mir ein Talisman sein — aber er hat mich nicht beschützt.“

Seine Hände sanken herab — er war wieder bewußtlos. Gleich darauf trat auch der Wärter ein; ich schickte ihn um den diensttuenden Arzt. Dieser, ein noch sehr junger Mann mit intelligentem, aber etwas barschem Gesichte, erschien sofort.

„Nun?“ fragte er mit einem Blick auf Burda.

„Er war zu sich gekommen“, sagte ich.