„Hat er mit Ihnen gesprochen?“

„Ja.“

„Vernünftig?“

„Ganz vernünftig“, erwiderte ich nicht ohne Verlegenheit.

„Und jetzt ist er wieder bewußtlos?“ Er trat an das Bett, langte nach dem Arme Burdas und fühlte den Puls. „Heftiges Fieber. Das ist der Anfang vom Ende. Übrigens, wer weiß — vielleicht —“

Dieses „Vielleicht“ bestätigte sich nicht. Noch in derselben Nacht verstärkte sich das Fieber, Delirien traten ein; am nächsten Tage folgten Paroxismen — und als ich das Krankenzimmer wieder betrat, war Burda eine Leiche. Bei den letzten traurigen Vorbereitungen, die man in meiner Anwesenheit traf, suchte ich überall nach dem Veilchenstrauße — doch umsonst: niemand wollte ihn gesehen haben. Man hatte ihn offenbar in den Kehricht geworfen.

Zum Schlusse machte sich der Zufall, der im Leben Burdas eine so große Rolle gespielt, noch einmal geltend. Fast am selben Tage, an welchem drei Ehrensalven über das Grab des Verblichenen hinwegdonnerten, war in den Zeitungen die Nachricht zu lesen, daß sich Prinzessin Fanny L... mit dem Prinzen A... verlobt habe.

Gegen Schorff aber kehrte sich jetzt allgemeiner Unmut, und man trachtete sogar eine ehrengerichtliche Untersuchung des Falles wider ihn durchzusetzen. Da jedoch der junge Graf Z... in die Angelegenheit mit verwickelt erschien, so wurde alles weitere niedergeschlagen und Schorff bloß nach Ungarn zu seinem Regiment versetzt. Einige Jahre später war er aus den Listen der Armee verschwunden. Was aus ihm geworden, habe ich nicht in Erfahrung gebracht.

Seligmann Hirsch.

Vorwort des Herausgebers.