„Herr Matzenoër, ich werde mit diesem Herrn soupieren! Was Sie mir zu bringen haben, wissen Sie. Auch eine kleine Flasche Bordeaux!“
Da ich in Graz sehr früh zu Mittag gegessen hatte, bestellte auch ich etwas.
Als wir an dem frischgedeckten Tisch saßen, füllte Herr Hirsch sein Spitzglas und hob es, mir zutrinkend, empor.
„Auf unsere Bekanntschaft!“ sagte er mit Emphase. Plötzlich aber hielt er inne und blickte mich starr an. „Seltsam! Ich muß Sie doch schon irgendwo gesehen haben.“
„Gewiß“, erwiderte ich lächelnd. „Vor acht Tagen auf demselben Platze.“
Im Antlitz des Herrn Hirsch vollzog sich eine unbeschreibliche Veränderung; es ging sozusagen aus den Fugen. „Das waren Sie?“ stammelte er. Dann verstummte er, und seine Unterlippe sank herab. Mit einemmal aber lachte er laut auf, stemmte die Hände in die Seiten und rief: „Was haben Sie damals von mir gedacht?“
Ich zuckte ausweichend die Achseln.
„Nein, nein! Nur heraus damit! Sie haben sich gedacht: dieser Mann hat keine Lebensart.“
„Nun — wenn Sie selbst — —“
„Nicht wahr, ich hab’ es getroffen? O, ich weiß, ich weiß! Man glaubt das allgemein von mir. Aber ich sage Ihnen, ich habe Lebensart — ich muß Lebensart haben, denn ich bewege mich in Wien in der feinsten Gesellschaft. Auf dem Lande freilich, in der Fremde, laß ich mich gehen.“ Wie um diese Behauptung zu erhärten, fuhr er mit dem Messer in einen kleinen Berg von Kaviar, den man ihm auf einem Schüsselchen vorgesetzt hatte, und führte die Spitze zum Munde. „Ausgezeichnet! Echter Astrachan! Davon müssen Sie kosten! Ich habe ihn eigens für mich kommen lassen. Aber so versuchen Sie doch!“