Nach Ablauf einer Stunde kamen auch die beiden anderen die Treppe hinangestiegen und traten gleich von außen in das Gemach, welches für den Angekommenen in Bereitschaft stand. Dort begann nun eine Unterredung, die immer lebhafter wurde, so daß der Ton der Stimmen mehr und mehr zu mir herüberdrang. Plötzlich hörte ich den Alten ausrufen:

„Nach Venedig?! Was soll ich in Venedig?“ Er war dabei in sein Zimmer getreten und durchmaß es mit heftigen Schritten.

Sein Sohn, der offenbar keine Ahnung hatte, daß außer ihnen noch irgend jemand hier oben wohne, war ihm nachgefolgt und sagte jetzt begütigend: „Aber lieber Vater, du hast doch schon oft den Wunsch ausgesprochen, Venedig zu sehen.“

„Ja, mit euch! Mit euch wollt’ ich es sehen — mit euch wollte ich reisen. Aber allein! Was soll ich alter Mann allein in Venedig? Ich kann kein Wort Italienisch.“

„Das ist auch gar nicht notwendig. In dieser Familie wirst du dich wie zu Hause fühlen. Man wird in jeder Hinsicht für dich sorgen — und auf diese Art wirst du nach und nach ganz bequem das eigentümliche Leben der Stadt kennen lernen.“

„Ich will es aber nicht kennen lernen! Was kümmert mich das Leben von Venedig? Ich habe an meinem eigenen genug. Und bei diesen Schnorrern will ich schon gar nicht sein!“

„Es sind keine Schnorrer. Der Mann hat einen sehr ansehnlichen Posten bei einem dortigen Bankhause.“

„Durch wen aber hat er ihn erhalten? Durch dich! Durch dich! Ich sehe schon, unter Aufsicht soll ich stehen. Überwachen soll man jeden meiner Schritte!“

„Das bildest du dir ein.“

„Nichts bild’ ich mir ein! Nichts! Ihr verschwört euch hinter meinem Rücken! Ihr verbannt mich! O, ich weiß, ich weiß! Schon diesen Sommer sollte ich nicht bei euch in Hietzing zubringen — die Villa wäre doch groß genug — und so ist es geschehen, daß mir der Arzt eine Kaltwasserkur und längeren Aufenthalt im Gebirge verordnet hat. Mir fehlt gar nichts! Ich bin ganz gesund!“