Und das bestärkte mich wieder in der üblen Meinung, die ich, sowie der Förster, von dem Manne hatte. Im Dienste zwar erschien er sehr brauchbar; er besaß Umsicht, Mut und Energie, seine sonstigen Eigenschaften aber flößten kein Zutrauen ein. Er trank gern und hatte schwere Familiensorgen auf dem Halse, da ihm noch drei Kinder aus erster Ehe anhingen. Niemals kam er mit seinem Gehalt aus, und der Graf, bei dem er eine Zeitlang in Privatdiensten gestanden und welcher für ihn eine besondere Vorliebe zeigte, mußte ihn fortwährend unterstützen. Ich ärgerte mich.
‚Auch Ihnen werd’ ich mich schon dankbar erweisen‘, fuhr der Bursche mit unterwürfiger Zutraulichkeit fort.
‚Was untersteht Ihr Euch!‘ brauste ich auf. ‚Ich habe nichts gesehen und nichts gehört. Was mich betrifft, könnt Ihr also vollständig beruhigt sein. Ich sag’ Euch das, damit, wenn die Sache heute oder morgen doch ruchbar wird, es nicht etwa heiße, ich hätte sie zutage gebracht‘. Damit ließ ich ihn stehen.
Den Heger traf ich nunmehr zu Hause. Es kam mich an, ihn zur Rede zu stellen; aber die ganze Sache war mir so widerlich, daß ich sie nicht noch einmal berühren wollte. Ich erteilte also bloß meine Befehle für die Jagd und ging dann meiner Wege.
IV.
Der Förster begab sich nur höchst selten in den Marktflecken; sein Leiden und die damit verbundene Griesgrämigkeit hinderten ihn daran. Mußte es aber doch hin und wieder aus zwingenden Gründen geschehen, so blieb er auch meistens gleich bis tief in die Nacht hinein unten hängen. Denn er pflegte alsdann das Honoratioren-Wirtshaus aufzusuchen, wo der seltene Gast mit großer Zuvorkommenheit empfangen wurde; das gute böhmische Bier und eine Tarockpartie taten das übrige, um den brummigen Alten auftauen zu lassen, der sich, einmal in Fluß gekommen, als sehr gemütlicher und lustiger Gesellschafter erwies.
Das war auch in dieser Zeit einmal der Fall gewesen. Ich saß noch mit der Försterin, die ihn stets mit einiger Ängstlichkeit erwartete, beim Lampenschein am Tische, als er nach Hause kam. Er sah sehr heiter aus, und während er sich’s bequem machte, sagte er: ‚Wißt ihr das Neuste? Der ganze Ort ist voll davon. Der Sohn des Bürgermeisters hat eine Liebschaft mit der jungen Kratochwil.‘
‚Was du nicht sagst!‘ rief die Försterin verwundert aus.
Ich aber wußte es ja, und zuckte daher nur die Achseln.
‚Eine schöne Bescherung für den Herrn Papa‘, fuhr der Alte fort. ‚Nun kann er leicht fluchen und wettern und dabei schwören, er wolle die ganze Familie ins Zuchthaus bringen. Daran hätte er früher denken sollen, jetzt ist es zu spät.‘