‚Nun, es wird ja nicht so arg sein‘, meinte die Frau.
‚Arg ist es, sehr arg. Der schwachköpfige Lali, der schon als Bub’ immer hinter den Weibsbildern her war und von ihnen beständig zum Narren gehalten wurde, ist endlich vor die rechte Schmiede gekommen. Das nichtsnutzige Mensch hat ihn natürlich gleich mit offenen Armen empfangen. Und nun er den Braten geschmeckt, heult und flennt er und droht, er werde sich umbringen, wenn man ihm die Maruschka nimmt.‘
‚Jesus Maria! Der Schlingel!‘ stieß die Försterin halblaut hervor, indem sie die Hände faltete.
‚Tun wird er’s freilich nicht, aber ihre liebe Not werden die Eltern mit ihm haben; der verzogene Bursch war ja seit jeher gewohnt, seinen Willen durchzusetzen. Jetzt lassen sie ihn freilich nicht mehr allein über die Straße, sonst aber achteten sie, trotz aller Affenliebe für den einzigen, nicht darauf, daß der Tagdieb unter dem Vorwande, nach den Feldern zu sehen, beständig vom Hause fern war. Man hätte sonst früher dahinter kommen müssen. Merkwürdig ist es überhaupt, daß auch sonst niemand darauf verfiel, obgleich man sich allgemein wunderte, daß die Maruschka ganz schmuck und sauber einherging und ihr Vater aus dem Rausch gar nicht mehr herauskam. Aber wissen Sie, Pernett,‘ fuhr der Förster fort, indem er mich streng anblickte, ‚wissen Sie, daß wir eigentlich in die Geschichte mit verwickelt sind? Denn raten Sie einmal, wo das saubere Liebespaar seine Zusammenkünfte gehalten? In unserem Revier — oben beim Heger, der ihnen den Unterschlupf im Walde verstattet. Wahrscheinlich hatte ihm der Junge eine Zeitlang Geld zugesteckt, schließlich aber mochte es dem alten Gauner vorteilhafter geschienen haben, das Geheimnis um eine runde Summe zu verraten. Miserabler Lump! Aber da es nun einmal geschehen ist, habe ich im Grunde doch meine Freude daran.‘
Wir waren noch nicht lange zur Ruhe gegangen, als plötzlich die Hunde in ein wütendes Gebell ausbrachen und die Hausklingel mehrmals hintereinander hastig gezogen wurde. Da ich noch nicht schlief, so war ich bald bei meinem Stubenfenster, das dem Tore zunächst lag, und blickte, einen Flügel öffnend, hinaus. Draußen im Dunkel standen zwei Männer. Es waren Arbeiter, die bei einem Neubau außerhalb des Ortes verwendet wurden und, wie sie sagten, in einem offenen Schuppen genächtigt hatten. Von dort aus hätten sie einen starken Feuerschein bemerkt, der aus dem oberen Teil des Waldes gegen den Himmel aufstieg. Sie wären gekommen, uns davon zu benachrichtigen und sich im Falle der Not zur Verfügung zu stellen.
Kaum hatte der Förster, im Bette halb aufgerichtet, diese Kunde vernommen, als er auch schon mit einem Satze auf dem Boden stand. ‚Ein Waldbrand?‘ schrie er, indem er mit ungewohnter Schnelligkeit in seine Kleider fuhr. ‚Ein Waldbrand? Aber wie ist denn das möglich?‘ setzte er, sich besinnend, hinzu. ‚Bei diesem feuchten Nebelwetter? Auch war die Nacht ganz windstill, als ich heimkehrte.‘
‚Das ist sie noch‘, entgegnete ich, neuerdings hinausblickend. ‚Meiner Meinung nach könnte höchstens das Hegerhaus brennen.‘
‚Sie haben recht; so wird es sein. Und dann hat auch die junge Kratochwil das Feuer gelegt, um sich an dem Manne zu rächen.‘
Mich selbst hatte dieser Gedanke sofort durchzuckt.
‚Eilen Sie nur gleich hinauf‘, fuhr der Förster fort, ‚und sehen Sie nach. Die Männer können Sie zur Vorsorge mitnehmen; ich folge Ihnen, sobald ich mich wärmer angekleidet habe.‘