‚Elende!‘ stieß ich hervor, indem ich mein Gewehr erhob, unwillkürlich versucht, mit dem Kolben auf ihr Haupt niederzuschmettern.
‚Oho!‘ schrie sie, indem sie rasch emporsprang. ‚Kommt Ihr mir so! Ich fürcht’ Euch nicht samt Eurer Flinte. Denn wenn Ihr mich nicht gleich niederschießt, könnt’ es Euch schlecht ergehen!‘ Sie sah mich wild drohend und dabei unsicher auf dem Boden fußend an. Aus der Tasche ihres Kleides blinkte der dünne Hals einer Flasche hervor; sie hatte offenbar Branntwein getrunken. ‚Aber was kümmert’s denn Euch?‘ fuhr sie, plötzlich einlenkend, fort; ‚Euch geschieht ja nichts, denn bis an den Wald kommt das Feuer nicht.‘
‚Wer spricht davon? Aber die Leute da unten!‘
‚Die Leute da unten? Ihrer wegen hab’ ich ja angezündet! Damals tat ich’s nicht, als sie mich anklagten. Jetzt sollen sie verbrennen, alle miteinander!‘
‚Ruchlose! Aber der Himmel selbst läßt deine Absicht zuschanden werden. Sieh nur, der Wind hat sich gelegt, und das Haus brennt schon schwächer.‘
Sie blickte mit weit aufgerissenen Augen vor sich hin und sah, daß ich recht hatte. Wie es oft bei heftigem Sturme zu geschehen pflegt, war in der Luft momentane Ruhe eingetreten, und es schien, als wäre man des Feuers bereits Herr geworden.
Sie krallte die Finger ineinander. ‚Nun, das Haus wenigstens ist hin!‘ keuchte sie krampfhaft.
‚Was tut’s? Der Bürgermeister läßt ein neues aufbauen. Und angenommen selbst, daß er schweren Schaden genommen, stand dir eine solche Rache zu? War er nicht ohnehin schon schwer genug bestraft für das Unrecht, das er dir, wie du wohl meinst, angetan? Er hat seinen Sohn verloren. Oder weißt du das nicht?‘
‚Wie sollt’ ich’s nicht wissen!‘ sagte sie verächtlich. ‚Aber was hab’ ich davon, daß er sich um seinen Jungen härmt? Was kümmert’s mich, daß der hin ist!‘
‚Du hast ihn doch gern gehabt!‘