Am selben Nachmittag sah er den Baron und die Baronin. Sie standen im Stiegenhaus vor der offenen Türe ihrer Wohnung und sprachen eifrig mit gesenkter Stimme. Mr. Markham, der die Treppen hinaufkam, um die leeren Wohnungen zu besichtigen und seiner Gewohnheit gemäß in Gummischuhen ging, kam in Hörweite, ohne daß sie ihn bemerkten. Er fing einige Worte des Barons auf:
„Der verdammte schwedische Schlingel! Diese Nacht gehörte ihm, aber übermorgen gedenke ich durch dich Revanche zu nehmen ...“ Er erblickte Mr. Markham und verstummte plötzlich.
Mr. Markham, der innerlich zu der Schlußfolgerung gelangt war, daß der eine der Teilnehmer an der Orgie der Nacht — vermutlich der Herr mit dem Turban — ein Schwede war und offenbar seinen Gastgebern lästig geworden war, lächelte dem Baron diskret zu, während er grüßte. Er wollte eben eine feine Anspielung machen, um zu zeigen, daß er von den wissenschaftlichen Studien seines Mieters wußte, was er wußte, aber sah aus Respekt vor der Baronin davon ab.
Es dauerte bis Freitag, den 19. September, ehe er Anlaß hatte, wieder an die Herrschaften in Nr. 48 zu denken. Früh am Vormittag dieses Tages ging er an Mr. Streptowitz’ Wohnung vorbei. Dieser Herr stand in der Türe und rauchte in Hemdärmeln eine Pfeife. Als er Mr. Markham sah, nahm er die Pfeife aus dem Mund und winkte ihm.
„Jetzt sind die aus Nr. 48 abgereist,“ sagte er mit betrübter Stimme.
„Abgereist? Der Baron ist abgereist?“ stammelte Mr. Markham.
„Das weiß ich nicht, aber die zwei Herren, von denen Sie dieser Tage sagten, daß sie Ihnen fehlten.“
„Was meinen Sie, Mr. Streptowitz?“
„Die zwei Herren, die dieser Tage fehlten. Sie sagten doch, Sie hätten drei fremde Herren hineingehen sehen, und ich sah nur einen wieder fortgehen. Heute morgens um halb fünf Uhr, als ich mich ankleidete, sah ich sie in einem Auto in Gesellschaft eines anderen Herrn fortfahren. Sie sahen aus wie Inder und wie schwer betrunken. Es war noch kaum taghell. Ich stehe am Freitag immer so früh auf, weil die Leute für den Sabbath Geld brauchen.“
„Inder und bis jetzt da!“ rief Mr. Markham, „und um halb fünf Uhr früh schwer betrunken! Das ist ja unanständig, Mr. Streptowitz.“