Yussuf Khan brach in ein Lachen aus, das Allan überraschte. Eine solche Heiterkeit erwartete man nicht von einem passiven Orientalen. Aber tatsächlich lachte Seine Hoheit so, daß er alle Zähne zeigte, wobei Allan flüchtig bemerkte, daß einer davon ganz überplombiert mit Gold war. Yussuf Khan wischte sich die Augen und sagte noch immer lachend:
„Ihr habt recht, Oberst Morrel Sahib, morgen verliert mich diese Stadt für lange Zeit aus den Augen. Gehen wir also zu Tisch!“
Der Oberst, der diese Heiterkeit, deren Ursache ihm offenbar unbegreiflich war, ganz verblüfft beobachtet hatte, zuckte die Achseln. Yussuf Khan wiederholte:
„Zu Tisch!“
Er führte selbst die Gäste zu der gedeckten Festtafel und wartete, bis alle unter dem niedrigen Baldachin versammelt waren, um dann zu sagen:
„In meinem Lande nehmen wir unsere Mahlzeiten nicht an einem Tische wie diesem ein. Aber als ich mit mir selbst über das Fest zu Rate ging, sagte ich mir zwei Dinge. Ich dachte zuerst: diese edlen Sahibs sind nicht an die Sitten meines Landes gewöhnt, und was das Essen betrifft, so lieben alle Menschen ihre eigenen Sitten am meisten.“
„Das ist wahr,“ sagte der alte Ali, „und mein Schüler spricht gut.“
„Ferner“, fuhr Yussuf Khan fort, „sagte ich mir selbst: was ist schuld daran, daß ich diesen edlen Sahibs Unannehmlichkeiten bereitet habe, die ich sie nun in unwürdiger Weise durch dieses Fest bitten möchte, zu entschuldigen? Ich sagte mir selbst: meine Juwelen, denen von schlauen, kühnen Dieben nachgetrachtet wurde. Wenn nun meine Gäste diese Juwelen zu sehen bekommen, die trotz alldem von einer gewissen Schönheit sind, können sie vielleicht den Grund der Gier der Diebe begreifen und dadurch auch die Unannehmlichkeiten, die sie selbst erdulden mußten. Und deshalb —“
Er brach plötzlich ab und klatschte in die Hände.
Im Nu, plötzlich, wie der Nebel bei einem Sonnenaufgang in den Tropen verschwindet, verschwand eine Hülle aus weißer Seide, die über der Festtafel ausgebreitet gelegen war — wie es zuging, konnte niemand sehen — und Yussuf Khans Gäste starrten mit halbgeblendeten Augen auf die Juwelen Nasirabads, die sich in einer Pyramide mitten auf dem Tische auftürmten. Eine nette Tischdekoration! Allan, der Oberst und Herr van Schleeten, die sie schon gesehen hatten, standen stumm da, wieder ganz bezaubert von dem phantastischen Glanz der Steine. Aber der Familie Bowlby, die sie noch nicht gesehen hatte, entrang sich ein dreifacher erstickter Schrei. Mrs. Bowlbys Augen irrten von einem Diadem und Halsband zum anderen, halb mit naiver Bestürzung, halb mit Mißtrauen. Endlich wendete sie sich dem Maharadscha zu, der sie ernsthaft beobachtet hatte, und murmelte, indem sie auf die Familienjuwelen wies, die sie trug: