Der Direktor des großen Hotels brach das Schweigen, das durch seinen und den Eintritt der anderen zwei Personen in den Festsaal entstanden war. Er wendete sich an Oberst Morrel und sagte mit einer entschuldigenden Betonung auf jedem Wort, das er sprach:
„Herr Oberst, Sie müssen mein Eindringen in Ihre Gesellschaft verzeihen. Sie können sich denken, daß es nicht ohne zwingende Gründe geschieht. Ich werde das, was vorgefallen ist, so kurz und deutlich erzählen, als ich kann.
Vor zwanzig Minuten wurde ich in das Bureau gerufen, mit dem Bedeuten, daß meine Anwesenheit unumgänglich notwendig sei. Ich eilte hinunter und fand diese Dame, in der ich Mrs. Langtrey erkannte, die einige Zeit im Hotel gewohnt hat, und diesen Herrn, der eine gewisse Aehnlichkeit mit Sr. Hoheit hat (der Direktor verbeugte sich in der Richtung von Yussuf Khan). Ich traute meinen Augen nicht, als ich Mrs. Langtrey sah, die, wie wir wissen, vor zwei Tagen ein kühnes Attentat auf die Juwelen Sr. Hoheit versucht hatte, über das einer der Gäste Sr. Hoheit die ausführlichsten Aufklärungen geben kann. (Der Direktor verbeugte sich leicht gegen Herrn van Schleeten, der ganz starr dasaß, die Augen auf Mrs. Langtrey geheftet). Bevor ich noch meine Bestürzung aussprechen konnte, sagte Mrs. Langtrey: ‚Ich weiß genau, was Sie sagen wollen. Es ist unnötig. Ich bin Mrs. Langtrey, die in Ihrem Hotel gewohnt hat; das ist der Maharadscha von Nasirabad, der vor fünf Tagen geraubt wurde.‘ ‚Wie können Sie es wagen, zu behaupten, daß dieser Mensch der Maharadscha ist,‘ rief ich aus, ‚ich weiß doch, daß der Maharadscha gerade jetzt ein Abschiedsfest in meinem Hotel gibt!‘ ‚Der Maharadscha,‘ erwiderte Mrs Langtrey, ‚ein sauberer Maharadscha! Der Mensch, der heute abend in Ihrem Hotel das Fest gibt, ist nicht mehr Maharadscha als Sie selbst oder der Portier hier. Ich verlange augenblicklich in den Festsaal hinaufgeführt zu werden.‘ Jetzt wurde mir die Sache zu bunt, und ich wollte die Dienerschaft rufen, um Mrs. Langtrey aus dem Hotel zu weisen, als sie mir zuvorkam und sagte: ‚Tun Sie nicht etwas, was Sie bereuen würden! Wir wollen nur ungerne mit Hilfe der Polizei eindringen, aber wenn es notwendig ist, werden wir es tun.‘ Nach dieser Aeußerung glaubte ich nichts anderes machen zu können, als die Gesellschaft hierher zu begleiten, wie sie es wünschte.“
Der Direktor verstummte. Der Oberst blickte wie ein Schlaftrunkener um sich, bald starrte er den Direktor, bald Allan an, bald die zwei Personen, die auf den Thron von Nasirabad Anspruch erhoben. Der zuletzt Erschienene, der Mann in Mrs. Langtreys Gesellschaft mit dem zerdrückten Frack, ergriff das Wort:
„Wie lange werde ich noch warten müssen, bis dieser Verbrecher, der mein Aussehen gestohlen hat, in Ketten gelegt wird?“ sagte er. „Fünf Tage bin ich in seinen und seiner Bande Händen gewesen, und nun ich wiederkomme und finde, daß er meinen Namen, wenn auch nicht mein Hab und Gut, gestohlen hat, werde ich behandelt, als wäre ich er. Oberst Morrel Sahib, wie lange werde ich noch warten müssen, daß der Verbrecher in Ketten gelegt wird?“
Der Oberst starrte von ihm zum Maharadscha am Tisch, ohne eine Silbe hervorbringen zu können. Er kannte den Maharadscha seit vielen Jahren; am Tische saß ein Yussuf Khan, an den er sich von tausend Gelegenheiten her erinnerte, in der Türe stand ein Mann mit eingefallenen Wangen und zerknitterter Kleidung, der wohl eine gewisse Aehnlichkeit mit dem anderen Yussuf Khan hatte, aber auch nicht mehr als das.
Aber dieses Zusammentreffen mit dem jungen Mann aus Schweden, der seine absurde Behauptung fast im selben Augenblicke hinausgeschleudert hatte, in dem sie in so eigentümlicher Weise von anderer Seite vorgebracht wurde! Er stand noch total konfus da, als das Schweigen gebrochen wurde: Der Maharadscha am Tische wollte sprechen, aber Allan Kragh fiel ihm höchst unartig ins Wort.
„Oberst Morrel,“ sagte er. „Ich stellte kürzlich zwei Fragen an Sie, die Sie, wie ich sah, wahnwitzig fanden. Gestatten Sie, daß ich sie noch einmal wiederhole?“
Der Oberst nickte starr, vermutlich ohne aufzufassen, was Allan sagte, so verblüfft starrte er noch immer die beiden Kronprätendenten an.
„Ich habe Sie gefragt,“ sagte Allan, „ob Se. Hoheit, der Maharadscha, Gelegenheit hatte in Nasirabad seine Zähne plombieren zu lassen? Wollen Sie mir diesmal ausdrücklich darauf antworten?“