„Benjamin Mirzl, du Sonne der Rechtgläubigen und aller Verbrecher König, habe die Gewogenheit, deiner schwarzen Leibwache selbst den Befehl meiner Verjagung zu geben! Ich weiß zufällig, daß sie nicht englisch spricht!“

Die Züge des Maharadscha nahmen, während Allan sprach, einen furchtbaren Ausdruck an. Er verließ seinen Platz und kam mit langsamen Schritten auf die Gruppe zu, die in der Nähe des Eingangs stand. Seine Augen waren durchbohrend auf Allan geheftet und funkelten wie die eines Königstigers. Er blieb vor Allan stehen und fixierte ihn einen Augenblick mit einem Ausdruck solchen Zornes, daß der Oberst eine Bewegung machte, um einzuschreiten; es sah aus, als wollte er Allan auf der Stelle niederschlagen. Im selben Augenblick geschah jedoch etwas ganz anderes. Der Maharadscha machte an ihnen allen vorbei einen Riesensprung, nicht unwürdig des königlichen Raubtieres, dem er glich; und bevor jemand sich noch gerührt hatte, lag der Saal in Stockfinsternis versunken; sie hörten die Eingangstüre zufliegen und das Einschnappen eines Riegels. Für einen Augenblick war alles ein wüstes Durcheinander; Rufe ertönten von Mrs. Bowlby, vom Obersten, von der schwarzen Leibwache, vom Direktor und den eben eingetroffenen ungebetenen Gästen. Dann kam ein Ausruf der Befriedigung von jemand, dem es gelungen war, den Kontakt zu finden, und der Saal lag wieder im Licht da. Ein Gewimmel von Armen und Beinen bearbeitete die Türe mit Schlägen und Stößen; verschiedene Ausrufe des Obersten, der mitten im Kampfgewühl war, deuteten an, daß nicht alle Schläge den Türspiegel trafen. Endlich flog die Türe auf, und eine wilde Jagd begann die Treppe hinunter in die große Halle. Zum Glück für den zukünftigen Ruf des Hotels war die Halle bis auf ein paar Bedienstete und den Portier ganz leer. Der Direktor schleuderte ihm mit Tigergebrüll eine Frage zu, und nach einem Augenblick des erstaunten Starrens kam die Antwort von dem würdigen Portier mit der Benediktinerfigur:

„Der falsche Maharadscha? Der Maharadscha ist vor einem Augenblick die Treppe hinuntergekommen und ... nun ja, er schien ein bißchen unsicher auf den Beinen. ‚Will b—bißchen an die f—frische Luft‘, hat er uns zugemurmelt, Sir, und uns ein wenig unsicher angesehen. Wir hörten Rufe oben aus dem Festsaal und dachten uns: Jetzt sind die Gäste in Stimmung gekommen, und —“

Im nächsten Augenblicke waren sie an dem würdigen Portier vorbei, wie ein Koppel Hunde, die die Fährte gefunden haben. Leider führte diese Fährte nicht weiter als bis zum Monmouth Square. Der patrouillierende Polizeikonstabler rapportierte, daß er vor zwei Minuten einem asiatischen Gentleman, der etwas bezecht zu sein schien, in ein Auto geholfen hatte, das dann zur Wohnung dieses Herrn, Grosvenor Hotel, fortgerollt war.

Der Oberst sah Allan an, während er sich den Schweiß von der Stirne wischte.

„Der verdammte Schurke,“ murmelte er. „Das drittemal! Und auf ein Haar wäre es ihm geglückt ... Hol’s der Teufel — ich kann nicht umhin, den Kerl zu bewundern.“

„Gehen wir wieder hinauf,“ sagte der Direktor. „Seine Hoheit ... Seine wirkliche Hoheit kann Entschuldigungen und Erklärungen verlangen.“

Er, der Oberst und Allan gingen die Treppe wieder hinauf; Herr van Schleeten hatte an der Jagd auf den falschen Maharadscha nicht teilgenommen. Die Leute auf dem Monmouth Square starrten die drei Herren an, von deren Gesichtern der Schweiß troff, trotzdem sie in Frack und weißer Krawatte waren. Im Festsaal angelangt, bot sich ihnen eine bunte Szene.

Links von dem Eingange stand die Familie Bowlby unter dem Präsidium von Mrs. Bowlby, die mit ausgebreiteten Röcken bereit war, ihr Haus zu verteidigen, wie die Henne ihre Küchlein. Sie führte eine eifrige, leise Konversation mit ihrem Mann und ihrer Tochter und schleuderte hie und da einen herausfordernden Blick auf Mrs. Langtrey. Mrs. Langtrey stand mitten im Saale mit stolzer Haltung und einem unergründlichen Lächeln. Ihre Augen hingen an Yussuf Khan — dem nun anerkannt richtigen — und auf ein Kissen an der Festtafel gesunken, die Nasenfarbe von Chateau Lafitte in Haut Sauterne verwandelt, saß ein Herr mit dickem, gelbgrauem, jetzt schlaff hängendem Schnurrbart, dessen Augen nichts anderes sahen als Mrs. Langtrey — Herr van Schleeten.

Die schwarzen Diener und die Leibwache hatten sich in einem Kreis versammelt, wie eine Krähenkolonie über das Passierte schnatternd. Yussuf Khan — der richtige — stand, noch etwas schlapp, mit einem geleerten Weinglas in der Hand da und war der Gegenstand zärtlicher Worte und entschuldigender Bitten von seiten seines alten Lehrers.