„Beim Propheten, mein Sohn, ich schäme mich wie ein Dieb, der im Basar auf frischer Tat ertappt wurde! Ich, ich selbst, dein Lehrer, ließ mich zwei Tage von diesem frechsten unter den Betrügern täuschen. Sogar seine Sprache war die deine, nur poetischer, worin ich eine Frucht der Lehren sah, die ich dir beizubringen bemüht. Mein Hochmut darüber machte mich noch blinder gegen seinen wirklichen Charakter, wofür Allah mir gnädig sein möge. Wahrlich, beim Propheten! Ich schäme mich! Wäre nicht dieser junge Mann mit dem wunderbar scharfen Falkenblick gewesen, du wärest jetzt vertrieben, und er, der Betrüger wäre in wenigen Wochen, wenn wir unser Land wiedersehen, nach dem ich mich sehne, wie der Hirsch nach der Quelle, auf den Thron von Nasirabad erhoben worden. Ueberaus treffend sagt der göttliche Zeltmacher —“

Der Maharadscha unterbrach ihn, ohne die treffende Aeußerung des göttlichen Zeltmachers abzuwarten.

„Ohne Zweifel“, sagte er, indem er sich aufrichtete, „hat der junge Mann, der mir unbekannt ist, jetzt das Verdienst, daß der Betrüger entlarvt wurde, aber ich hatte jemanden in meiner Gesellschaft, der bereit war, ihn zu entlarven. Sie wollte nur ihren Zeitpunkt wählen.“

„Mein Sohn, ich bedauere, daß du mir den Schmerz bereitest, den Worten des göttlichen Zeltmachers nicht so gerne zu lauschen wie der elende Betrüger, Sohn Scheitans. Aber du sagtest sie? Meinst du die Frau, die in deiner Gesellschaft kam?“

„Wie du sagst. Sie, die in meiner Gesellschaft kam, die von diesem Betrüger und Menschenräuber zu meiner Gefängniswärterin ausersehen war, die sich meiner in meiner Gefangenschaft erbarmte, und von der ich gleich noch mehr mit dir und Oberst Morrel Sahib sprechen werde. Fünf Tage war sie meine Wächterin, nur anfangs von dem Verbrecherkönig abgelöst. Ihre Milde zugleich mit der Festigkeit ihres Willens war bewunderungswürdig, und die Zeit in meinem Gefängnis, wo sie über mich wachte, war mir süßer als alle Stunden, die ich in der Gesellschaft anderer Frauen verbracht habe. Sie war fest wie die Hand des Reiters, wenn sie den Zügel hält, und sanft wie sie es ist, wenn sie das Fohlen streichelt. Heute — doch später mehr davon. Du sagtest, daß wir schon in einigen Wochen unser Vaterland wiedersehen werden? War denn die Zeit für Eure Abreise schon bestimmt?“

„Sie war von Oberst Morrel Sahib für morgen bestimmt, der es gestern als eine Gnade von Sr. Exzellenz dem Minister erwirkte, daß wir diese Stadt mit unversehrter Ehre und Turbans verlassen dürfen. Von solchen Dingen wie die, die unsere Anwesenheit hier verursacht hat, hat diese Stadt noch nie gehört, und sowohl die Bevölkerung hier wie Oberst Morrel Sahib sind mit Recht über mich empört, der ich dir ein so elendes Vorbild gewesen. Ach, du kannst in Wahrheit auf deinen Lehrer anwenden, was der göttliche Omar von seinen Lehrern sagte:

Die hellsten Leuchten von den klügsten Köpfen,

Die von den Sternen selbst die Weisheit schöpfen,

Da liegen sie ...“

„Da kommt Oberst Morrel Sahib,“ schnitt Yussuf Khan ab. „Das ist gut. Ich will sogleich mit ihm von dem sprechen, was mir am Herzen liegt.“