Trotz alldem besiegte die Neugierde Mrs. Bowlbys übrige Gefühle, und als gegen elf Uhr abends das Vermählungsfest in Yussuf Khans Appartements gefeiert wurde, war sie auch mit dabei, vom Maharadscha eingeladen, der alles, was sie sagte, mit demselben erstaunten Interesse anhörte wie einen Papagei, der sprechen gelernt hat. Das Fest spielte sich diesmal nach europäischer Weise ab, und die Juwelen Nasirabads waren in der Mahagonikassette wohl verwahrt und wurden von der schwarzen Leibwache gegen alle neuen Versuche von seiten Herrn Mirzls geschützt. Der einzige orientalische Einschlag war der alte Ali, der in morgenländischem Kostüm ein hochgestimmtes Poem zu Ehren seines Schülers deklamierte, das nur etwas darunter litt, daß man Pommery nature in ausgedehntem Maße serviert hatte. Mrs. Langtrey feierte ihren letzten Abend in europäischer Tracht mit einer Modestie, die sogar Mrs. Bowlby halb und halb versöhnte. Doch konnte diese Dame es nicht lassen, bei der ersten Gelegenheit auf den Maharadscha Beschlag zu legen, um zu fragen:
„Aber wissen Hoheit nicht, daß Ew. Hoheit ... hm ... Gemahlin mindestens einmal verheiratet war?“
„Was bedeutet das für mich?“ sagte Yussuf Khan, „das war ich doch selbst auch.“
Mrs. Bowlby konnte diese Tatsache schwer in Abrede stellen.
„Und daß sie die Freundin des Mannes war, der drei Attentate auf die Juwelen Ew. Hoheit und auf Ew. Hoheit selbst unternommen hat?“ beharrte Mrs. Bowlby, die ihren Ohren nicht trauen wollte. „Und daß sie selbst — —“
„Ich weiß alles. Was macht mir das? Sie ist mein Auge und mein Ohr. Was ich nicht schauen konnte, werde ich durch sie schauen, und was ich nie gehört, wird sie mir erzählen. Nie habe ich süßere Tage durchlebt, als die zwei letzten, wo sie meine Wächterin war und wo sie während unserer Gespräche allmählich etwas anderes wurde und mich wählte anstatt des Mannes, der sie erstrebt hat und an dem sie durch seine Kühnheit Gefallen gefunden. Vielleicht war er durch seinen Mut ihrer würdiger als ich, der ich auch sonst ihrer unwürdig bin. In der Gesellschaft keiner Frau habe ich ein Glück gekostet, wie damals, als sie mir Trank und Speise reichte, und schließlich meine Bande löste. Ihr Wille ist fest wie eine Stahlklinge und weich wie der Brustflaum einer Taube. Vor allen anderen ist sie meine Maharaneeh.“
Das Fest hatte etwa eine Stunde gedauert, als der Direktor sich mit einer Verbeugung auf der Schwelle des Speisesaales zeigte, mit einem Silbertablett, auf dem zwei Telegramme lagen. Der Maharadscha kannte die europäischen Gebräuche bei Hochzeiten nicht genügend, um die Bedeutung dieser Gegenstände zu verstehen, aber Oberst Morrel beeilte sich, die Telegramme in Empfang zu nehmen. Er riß das eine auf, starrte es einen Augenblick an und wurde vor Zorn ganz rot. Er wollte es wegwerfen, aber Yussuf Khan kam ihm zuvor.
„Was steht auf diesem Papier geschrieben?“ sagte er. „Ich will es wissen. Handelt es von mir?“
Der Oberst räusperte sich.
„Es ist ein Telegramm von dem Schwindler,“ murmelte er.