„Warten Sie ein bißchen! Hm ... 374. Nun wohl, Herr Kragh, warum sollte ich Ihnen die Sache verbergen: Ihr Gepäck ist gestohlen.“
„Gestohlen? Stiehlt man Gepäck, das einer deutschen Eisenbahngarderobe eingeliefert ist? Ich habe meinen Schein.“
„Ja, ja, Ihren Schein, Nr. 374, drei Kolli. Aber vorgestern, als Sie ... als Sie irrtümlich angehalten wurden, kam ein Telegramm an die Garderobe, die drei Kolli auf Nummer 374 expreß nach Osnabrück zu schicken; der Inhaber habe nicht Zeit gefunden, sie abzuholen. Die Garderobe sandte sie noch am selben Tage ab, sie wurden um sechs Uhr abends in Osnabrück (mit einem falschen Gepäckschein, wie wir allen Grund haben, zu vermuten, ja allen Grund) von einem Herrn abgeholt, der sofort nach Holland weiterreiste ... Ihre zwei Handkoffer und Ihr Ueberrock, Herr Kragh, sind also gestohlen.“
„Putz weg! Donnerwetter ...“ Allan starrte den sanftäugigen Polizeirichter ganz verblüfft an. „Wer in Teufels Namen ...“
„Ja, wer kann die Nummer Ihres Garderobescheines wissen! Hat man Sie im Hamburger Bahnhof darangekriegt? Wir verstehen die Sache ebensowenig wie Sie selbst — und Sie sollten sie besser verstehen als wir. Ja, das sollten Sie wirklich.“
Allan bog in einen neuen Gedankenkanal ein.
„Das sollte ich! Aber wie konnten Sie sich unterstehen, mich zu arretieren? Warum haben Sie diesem Kerl Gelegenheit gegeben, mein Gepäck zu stehlen? Haben Sie die Güte und erklären Sie mir, was hinter dieser anderen Geschichte steckt! Jetzt bin ich nicht mehr Angeklagter!“
„Herr Kragh!“ Die Stimme des Polizeirichters war voll sanftem Tadel, aber Allan hörte nicht mehr auf diesem Ohr, seine erlittenen Verunrechtungen begannen ihm zu Kopf zu steigen. Wie ein Verbrecher arretiert und obendrein noch bestohlen werden! Das war zuviel. Wozu hatte man Konsuln?
Er hörte die sanfte, gleichsam bebrillte Stimme des Polizeirichters:
„... daß die ganze Geschichte im Speisewagen entstanden ist. Sie haben den Mann nicht gekannt, mit dem Sie zu Mittag gegessen haben?“