„P—r—m — ach nein, der bewegt sich in einem höheren Genre.“
„Ich bin ebenso gespannt, seine nähere Bekanntschaft zu machen, wie Sie, Herr Polizeirichter. Leben Sie wohl.“
Allan verließ das kleine Zimmer des großen Gebäudes; der kleine Polizeirichter folgte ihm durch die Korridore bis zum Ausgang, wo Allan und er sich voneinander unter tiefen Verbeugungen verabschiedeten. Allan ging nun durch die Straßen, etwas wirr im Kopf von all den Ereignissen, ohne daran zu denken, welche Richtung er einschlug. Es war nun, wie ein Blick auf die Uhr ihm sagte, fast vier Uhr nachmittags. Plötzlich, als er an einer Straßenecke stehen blieb, um zu überlegen, was nun zu tun sei, spürte er eine Hand auf seiner Schulter und zuckte zusammen. Eine neue Arretierung? Das wäre doch zuviel des Guten. Er drehte sich um. Ein junger Mann im Strohhut grüßte ihn lächelnd und reichte ihm einen Brief.
„An Sie,“ sagte er.
Bevor Allan ihn noch aufhalten konnte, war er verschwunden. Allan starrte ihm in dem Volksgewühl nach, ohne zu wissen, was er eigentlich glauben sollte. Er lief einige Schritte in der Richtung, die der Unbekannte eingeschlagen hatte, aber ohne ihn zu erblicken; der Verkehr war im Augenblicke überwältigend. Dann sah er den Brief an, der die Aufschrift trug: „Herrn Allan Kragh aus Schweden“, und riß ihn auf, von einer plötzlichen Ahnung gepackt.
Was er las, war dies:
„Lieber Herr Kragh! Sie haben ohne Zweifel viele Flüche auf mein Haupt herabbeschworen, seit wir uns zuletzt sahen, obwohl es fraglich ist, ob Sie diese Flüche richtig adressieren konnten. Verzeihen Sie mir, daß ich Ihre Freundlichkeit, mir im Speisewagen Graacher Auslese vorzusetzen, so schlecht gelohnt habe; verzeihen Sie mir in noch höherem Grade die Unannehmlichkeiten, die ich Ihnen späterhin verursacht habe — Unannehmlichkeiten, deren Charakter ich selbst nur zu gut einzuschätzen verstehe.
Ich weiß, daß der Verlust Ihres Reisegepäcks auf den Garderobeschein 374 des Hamburger Hauptbahnhofes, den Sie so unvorsichtig waren, mir beim Diner zu zeigen, gegen die eben erwähnten anderen Unannehmlichkeiten nicht ins Gewicht fällt. Leider war ich wirklich durch die Verhältnisse gezwungen, so zu handeln. Seien Sie überzeugt, daß es eine zwingende Notwendigkeit war.
Sollten Sie geneigt sein, mich sämtliche Unannehmlichkeiten sühnen und Ihnen natürlich in erster Linie Ihr elegantes Gepäck zurückstellen zu lassen, so können Sie mich Freitag abend, den zwölften dieses, um zehn Uhr in The Leicester Lounge am Leicester Square in London treffen. Seien Sie überzeugt, daß ich Sie erkennen werde, wenn Sie sich einfinden, auch wenn Sie mich nicht erkennen sollten. Ich mache Ihnen diesen Vorschlag, um zu sehen, ob ich den Charakter eines Mannes, der ohne weiteres einer Laune wegen sein Gepäck im Stiche läßt, richtig beurteilt habe.
Also auf Wiedersehen!