Es war bestimmt, daß er seinen Willen in dieser Hinsicht durchsetzen sollte, aber das dauerte noch eine Weile.
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Es war spät, als Allan am nächsten Tag die Augen aufschlug. Sein erster Blick galt den Koffern und sein zweiter Herrn Mirzls Brief, den er nun schon auswendig wußte, wie einen Bibelspruch im Katechismus. Erst sein dritter Blick galt der Uhr. Sie zeigte fünf Minuten vor zwölf. Allan flog aus dem Bett und begann sich anzukleiden. Unmittelbar vor dem Einschlafen war ihm etwas eingefallen: Es gab eine Möglichkeit, Herrn Mirzl aufzuspüren, durch den Dienstmann, der die Koffer gebracht hatte! Allan runzelte die Stirn und entwarf in Gedanken einen Kriegsplan, der auf besagtem Dienstmann aufgebaut war, und durch den Herr Mirzl sich wohl bald in seiner Höhle aufgespürt sehen sollte.
Aber ach, schon der erste Faden riß, als er gegen halb ein Uhr sein Verhör im Hotelbureau anstellte. Der Dienstmann? Ein gewöhnlicher Träger. Nummer? Weiß Gott, was für eine Nummer er hatte. Er hatte ganz einfach die Koffer niedergestellt, erklärt, daß sie dem Herrn auf Nr. 417 gehörten, dessen Namen auf beifolgendem Briefe stand, und daß alles bezahlt sei, worauf er sich ohne weiteres entfernt hatte. Nun, wenn man es sich recht überlegte, hatte er wohl überhaupt keine Nummer gehabt. Es war vermutlich ein gewöhnlicher Arbeitsloser gewesen. Stimmte etwas mit den Koffern nicht? Hatte der Mann etwas gestohlen oder verschlampt?
Allan beeilte sich, nein zu sagen und verschwand. Es war nicht so leicht, die Sachlage mit einem unromantischen Hotelkontoristen zu diskutieren. Er versuchte sich vorzustellen, was Sherlock Holmes in seiner Lage getan hätte, und da kam ihm plötzlich eine Idee. Eine Annonce! Das war es. Sherlock Holmes hätte eine Annonce eingerückt und dem unnumerierten Dienstmann eine Belohnung in Aussicht gestellt.
Allan erkundigte sich und suchte das Zeitungsbureau des Hotels auf; er fand es in einer kleineren Halle rechts von dem großen Entree gelegen. Es war eine weitläufige Anlage, wo alle Zeitungen der Welt verkauft, Annoncen für sie, Abonnements auf sie und (gegen eine kleine Abgabe) persönliche Notizen für sie über den Aufenthalt der Betreffenden im Grand Hotel Hermitage, ihre Gewohnheiten, ihren Lieblingssport, aufgenommen wurden. Allan erhielt ein Blankett und formulierte nach einiger Gedankenarbeit folgende Annonce:
Träger! Zwei Pfund Belohnung erhält der Träger, der am Abend des 12. dieses, halb zehn Uhr, drei Gepäckstücke im Grand Hotel Hermitage abgegeben hat, wenn er sich ehestens im besagten Hotel einfindet.
Der Kontorist des Zeitungsbureaus war ein ernster junger Mann vom Detektivtypus. Er nahm Allans Annonce ohne jeden Kommentar entgegen und fragte nur, in welche Zeitungen Allan sie aufgenommen wünsche. Allan überließ ihm selbst, dies zu bestimmen, worauf der hagere junge Mann dekretierte, daß Star, Daily Mail und Daily Citizen am besten seien, und einen Betrag für die zweimalige Einschaltung in jeder derselben entgegennahm. Sehr zufrieden mit sich selbst begab sich Allan in die Stadt, um sein Lunch einzunehmen.
Im Laufe des Nachmittags, während er in Pall Mall promenierte, kam ihm jedoch eine Idee, die zur Folge hatte, daß er eine Viertelstunde später aus einem Auto vor dem Grand Hotel Hermitage sprang. Er hatte ja ganz verabsäumt, in Erfahrung zu bringen, wer seine mystische Reisegenossin war, die Dame aus Hamburg! Und sie wohnte doch in demselben Hotel! So ist es, wenn man den Kopf mit einer Sache voll hat. Der benediktinerflaschenähnliche Portier selbst führte den Befehl im Hotelbureau, als Allan hereinkam, um sein Verhör anzustellen. Die Wärme seines Tones war seit der Ankunft von Allans Gepäck um fünf Grad gestiegen.
„Wünschen Sie ein größeres Zimmer, Sir?“ fragte er.