„Sehen Sie, was habe ich gesagt! Ich habe es förmlich im Gefühl, wenn ich in der Nähe eines Verbrechers bin!“
Während Herr van Schleeten ihr seine Bewunderung für diese Clairvoyance ausdrückte, mußte er sich selbst gestehen, daß seine Gefühle für sie durchaus nicht telepathischer Natur waren.
Bei der Ankunft in Paris um halb elf Uhr abends machte es sich ganz natürlich, daß sie im selben Hotel abstiegen. Herr van Schleeten wählte ein ruhiges Familienhotel in der Nähe der Madeleinekirche, und sie erklärte sich damit einverstanden. Wie sie sagte, war sie noch nie in Paris gewesen. Sie war mit einem der Schiffe der Hamburg-Amerika-Linie herübergekommen und reiste nur, um den Schmerz über den Verlust ihres ersten Mannes zu betäuben, der gestorben war, und einem zudringlichen Freier auszuweichen, der sich einbildete, daß sie ihn liebte.
Herr van Schleeten war gerne bereit, ihr schon am ersten Abend in Paris behilflich zu sein, alle Schmerzen zu vergessen, aber er fand keine Gelegenheit dazu. Nach einer Tasse Tee verschwand Mrs. Langtrey in ihr Zimmer.
Zwei Tage später fuhren sie nach London, noch immer zusammen. Sie hatte ein Telegramm bekommen, das sie zwang, am selben Morgen wie Herr van Schleeten hinzufahren; sie würde im Grand Hotel Hermitage absteigen. Bei der Ankunft in Charing Croß drückte sie Herrn van Schleeten so ungeschminkt herzlich die Hand, wie es nur eine junge Amerikanerin wagt, und bat ihn am nächsten Tage zum Diner im großen Hotel ihr Gast zu sein.
Dieses Diner war entzückend; vor allem dekretierte sie mit Prinzessinnenmiene, daß nur sie allein bezahlen dürfe. Herr van Schleeten war der Gastgeber vieler junger Damen gewesen, doch nie der Gast einer Dame. Es war ein eigentümlich prickelndes Gefühl, so etwa wie ein neuer holländischer Likör. Er beeilte sich zu betonen, daß dies nur unter der Voraussetzung denkbar sei, daß sie sobald als möglich mit ihm im Savoy soupieren wollte. Sie akzeptierte, immer mit derselben freimütigen Prinzessinnenmiene.
Beim Abschluß dieses Mittagessens entdeckten Herr van Schleeten und seine Partnerin zu ihrem Staunen an einem Tisch im Speisesaal des Hotels keinen Geringeren als den jungen Mann aus dem Eisenbahnzug.
„Sollten wir nicht eigentlich die Polizei verständigen, Mrs. Langtrey?“ sagte Herr van Schleeten.
Mrs. Langtrey schüttelte ihr schönes Haupt.
„Ich liebe meine Nächsten immer, wenn ich Champagner getrunken habe,“ sagte sie.