Nun, wenn die Steine nicht besser waren, als der Maharadscha meinte, dann! Glaubten sie vielleicht, daß er das erstemal Juwelen sah? Nun wurde er aufgefordert, sich umzudrehen. Er tat es und wäre fast umgefallen.
Natürlich hatte er von den Juwelenkammern der orientalischen Fürsten gehört und hatte selbst die Mehrzahl ihrer europäischen Kollegen gesehen, aber das übertraf seine wildesten Phantasien. Das war Tausendundeine Nacht. Das war der Todesstoß sogar für sein holländisches Phlegma. Eine Flut von verschiedenfarbigen Steinen, von denen ein jeder würdig war, ein Kronjuwel zu sein; ein Springbrunnen von Licht; schwere blaue Trauben von Saphiren; Perlenschnüre, die sich durch das Juwelengewühl ringelten wie matt blinkende graue Schlangen; Smaragden, brennend wie Raubtieraugen; ein Blutgeriesel von Rubinen über dem Ganzen, so, als wäre irgendein unredlicher Wächter über der Truhe geköpft und gezwungen worden, sein Blut über ihren Inhalt sprühen zu lassen — und überall zwischen die anderen versprengt, Diamanten und Diamanten, deren kaltes Feuer wie Wintersterne und Nordlicht flammte. Diese ganze Eruption von farbenstrahlendem, aus sich selbst geborenem Licht, die Herrn van Schleeten entgegengeschleudert wurde, benahm ihm fast den Atem. Erst nach einiger Zeit sah er die Einzelheiten, die seltenen Steine, deren Ton von dem normalen abwich; schwarze Diamanten und Diamanten, deren blaue Farbe die Morgenbläue um die Bergfirne des Himalaya war; Smaragden, deren grüner Glanz in einen Opalton überging wie ein eben entflammter Abendhimmel, Rubine, deren rotes Blut einen Stich ins Blaue hatte, wie um ihren uralten Adel zu zeigen — schließlich auch die Goldfassung um die Steine. Sie war schwer, phantastisch, zuweilen grotesk, aber welcher Gedanke, sie zu modernisieren! Herr van Schleeten schöpfte tief Atem und stammelte an den Maharadscha gewendet:
„Und Hoheit wollen, daß ich das ändere?“
„Natürlich,“ sagte Yussuf Khan würdevoll. „Warum hätte ich Euch sonst durch Oberst Morrel Sahib rufen lassen? Er hat mir gesagt, daß Ihr in Europa der erste unter jenen seid, die edle Steine behandeln. Obwohl die meinen von geringem Werte sind und Euch nicht fesseln können, bitte ich Euch doch, sie der weißen Fürstinnen so würdig zu machen, als sie werden können. Wisset, daß ich in Europa bin, um eine Sahibprinzessin zu erringen. Und denkt daran, wenn Eure Hand an diesen Steinen arbeitet. Euer Lohn und Eure Ehre werden groß sein.“
Herr van Schleeten, dessen Augen an der Kassette und ihrem Inhalt hingen, wie die des Vogels am Reptil, wollte eben neue Einwände erheben, als Oberst Morrel ihm zuvorkam.
„Die Sache ist durch den Willen Seiner Hoheit entschieden,“ sagte er scharf. „Wollen Sie die Arbeit übernehmen oder müssen wir uns an einen anderen wenden? Lassen Sie mich das gleich wissen.“
Herr van Schleeten stand noch einen Augenblick stumm da, bevor es ihm gelang zu erwidern:
„Natürlich ... wenn es der Wille Seiner Hoheit ist ... Aber darf ich fragen, in welcher Richtung Seine Hoheit wünscht, daß ...“
„Welche Richtung immer,“ unterbrach der Oberst. „Bestimmen Sie selbst. Es ist ja Ihre Spezialität.“
Herr van Schleeten stand einen Augenblick stumm da und hörte den Oberst in sich hineinmurmeln: