„Das ist kein Grund, mich zu behandeln wie einen Kutscher, der falsch gefahren ist,“ sagte Herr van Schleeten mit gerunzelter Stirne. „Ein jeder hat seine Sorgen.“

„Herr van Schleeten, Sie sind doch ein Weltmann. Beachten Sie den schlechten Humor eines alten Herrn nicht. Gestatten Sie mir, Sie in das Zimmer zu führen, das für Sie reserviert ist.“

Noch etwas grollend wurde Herr van Schleeten in den Arbeitsraum geleitet. Der erste Anblick der märchenhaften Edelsteine war genug, um ihn sowohl den Obersten wie Mrs. Langtrey vergessen zu lassen. Er verbrachte eine Stunde damit, sie einen nach dem anderen zu bewundern; zwei damit, nachzudenken, wie er die Fassungen „ändern“ sollte, damit sie nach dem Geschmack des Maharadscha ausfielen. Dann klingelte er und ließ sich ein leichtes Frühstück mit einer halben Chateau-Lafitte bringen und machte sich dann gegen zwei Uhr an die Arbeit. Er blieb bis sieben Uhr dabei und merkte kaum, wie die Zeit verflog, so hypnotisiert war er von den Steinen; was er hingegen, als er seine Instrumente weglegte, merkte, war, daß er eine Hilfskraft haben mußte, wenn er die Arbeit in annehmbarer Zeit fertig bringen sollte, ganz abgesehen von der nervösen Eile des Maharadschas. Gegen halb acht Uhr verließ er das Hotel.

Die schwarze Leibgarde hielt noch immer treue, stumme Wache vor den Türen des Arbeitsgemaches. Herr van Schleeten sprach sie im Vorüberstreifen auf englisch an, aber bekam keine Antwort. Offenbar verstanden sie nur ihre Muttersprache.

Unten auf der Straße angelangt, ging er anfangs halb abwesend durch das Menschengewühl. Der Septemberabend war etwas kühl, mit einem herbstlichen Ton in der Luft. Herr van Schleeten, dessen Kopf ganz von den wunderbaren Steinen erfüllt war, wurde sich erst nach einiger Zeit bewußt, daß er Hunger hatte.

Er ging in ein kleines französisch-italienisches Restaurant, an dessen Türe er gerade vorbeikam, setzte sich nieder, und wählte einige Gerichte à la carte und eine Halbe Kirwan-Cantenac. Er war zum Kompott nach dem Huhn gekommen, als er aufblickte und sah, daß Mrs. Langtrey an seinem Tische stand, allein, im Straßenkleid.

Herr van Schleeten flog in die Höhe.

„Sie!“ rief er. „Sie!“

„Ja, ich ...“ murmelte sie. „Ah, daß ich Sie treffe! ... Gott sei Dank! Gestatten Sie, daß ich mich niedersetze?“

Herr van Schleeten riß einen Stuhl unter dem Tisch mit einem Schwung hervor, als wollte er ihn als Wurfgeschoß verwenden und half ihr die Ueberkleider ablegen. Das kleine Souper winkte, und in dem rosigen Wachskerzenschein seiner Hoffnungen sah er sich ihr schon weit mehr ablegen helfen als die Ueberkleider. Sie ließ sich nieder und blätterte zerstreut in dem Menü, das der französische Kellner sich beeilt hatte, ihr zu überreichen.