b. Organische Wesen. Die Pflanzen. Auch hier ist die Materie der Hauptbestandtheil, auch hier tritt bei vielen Eindrücken der Aussenwelt eine Vernichtung der Form, oder gar keine Spur eines Eindruckes ein, bei gewissen Eindrücken findet aber nur eine Veränderung der Form, ohne Aufhebung derselben Statt. Die Pflanze wächst, wenn sie begossen wird, sie hört aber, obwohl sie dadurch eine Veränderung in ihrer Form erleidet, nicht auf, dieselbe Species einer Pflanze zu bleiben, zu welcher sie früher gehörte. Hier ist daher nicht mehr ein blos passives Zerstörtwerden durch die Aussenwelt, sondern ein aktives Reagiren, wenigstens gegen gewisse Eindrücke bemerkbar, es ist eine Veränderung durch Assimilirung zu gewahren, die in der vorigen Klasse gänzlich mangelt.
c. Animalische Wesen. Die Erscheinungen der beiden vorigen Gattungen sind vorhanden, ausserdem bewirken Eindrücke gewisser Gattung auch noch die besondere Erscheinung, dass durch den Eindruck eine Thätigkeit entsteht, welche wohl dem Verhältnisse entspricht, in welchem sich der Eindruck machende Gegenstand zu dem Individuum nach dessen eigenthümlicher Beschaffenheit befindet, ohne deswegen eine unmittelbare Folge des Eindruckes zu sein. — Das vom Feuer beschädigte Thier verbrennt nicht, es flieht aber das Feuer. Es übt daher eine Thätigkeit, welche nicht aus der Berührung des Feuers folgt, sondern lediglich dem Eindrucke entspricht, welchen das Feuer auf dessen Individualität gemacht hat. Diese Verbindung zwischen Eindruck und Thätigkeit können wir daher nach dieser Wahrnehmung, und nach der Analogie unserer eigenen Erfahrungen an uns selber, nicht anders bezeichnen, als mit einem Bewusstwerden der, durch den äusseren Eindruck in dem Individuum hervorgebrachten Veränderung, mit einem Worte, durch das Eintreten der Empfindung des Erregtseins, d. h. einer durch einen äusseren Eindruck hervorgebrachten Veränderung in seinem Gesammtleben, es mag diese Veränderung nun wie z. B. ein Brandmahl Jedermann bemerklich sein, oder nur darin bestehen, dass irgend ein Glied desselben mehr, als es früher der Fall war, und auch nur eine Sekunde lang, erhitzt ist.
Dies Vorhandensein einer Empfindung lässt daher zwei Momente unterscheiden, nämlich das Erregtsein des Individuums, und die Vorstellung des Erregtseins, d. i. das Bewusstsein der Nothwendigkeit, sich entweder dem Eindrucke hinzugeben, oder sich demselben zu entziehen, denn die Beobachtung lehrt uns, dass, wo ein Erregtsein ohne Vorstellung Statt findet, z. B. bei der ordnungsmässig vor sich gehenden Funktion des Athmens, des Verdauens etc., obgleich diese Funktion immer mit äusseren Eindrücken, z. B. mit dem Einwirken der Luft, mit den genossenen Nahrungsmitteln etc. in Verbindung steht, auch keine Empfindung davon da ist, und nur dann, wenn die Vorstellung einer Hemmung, oder einer besondern Befriedigung eintritt, diese Thätigkeit erst empfunden wird.
Je grösser die Kapazität eines animalischen Wesens für Empfindungen ist, auf einer desto höheren Stufe in der Rangordnung der thierischen Wesen befindet sich dasselbe, oder richtiger zu sagen, wir gewahren bei Thieren, welche in ihrer Thätigkeit sich dadurch von dem Pflanzenleben entfernen, dass wir ihnen die Fähigkeit zuerkennen müssen, sich mehr nach Vorstellungen zu bestimmen, als andere, auch einen feineren, zur Aufnahme von Veränderungen durch äussere Eindrücke weit empfänglicheren Organismus, als bei anderen.
Auf der untersten Stufe, z. B. bei Polypen, gewahren wir sehr wenig Organe, ihre Entwicklung und Erhaltung ist mehr vegetativ als selbstthätig. Eine Stufe höher treffen wir bei den Insekten entweder nur die Funktionen der Ernährung und der Fortpflanzung, oder die sogenannten Kunsttriebe, welche eigentlich nichts anderes sind als ein Entwickeln einer ganz unbewussten, und daher mehr vegetativen als animalischen Thätigkeit. Die Raupe spinnt sich ein, weil sie sich des animalischen Saftes nicht anders entledigen kann, dessen sie sich entledigen muss. — An der Biene bleibt der Blüthenstaub, indem sie ihre Nahrung auf Blumen sucht, ohne ihr Zuthun kleben, sie ist an die Königin, wie der Baum mit den Wurzeln an die Erde gebunden, und geht, wenn die Königin stirbt, zu Grunde, wie eine Pflanze, deren Wurzel abgeschnitten ist, — sie muss also, wie sie ihre Nahrung geholt hat, zur Königin fliegen, streift dort ihren Blüthenstaub von selbst ab, und gibt eben so unwillkürlich den Honigsaft von sich. — Sie kriecht durch das noch weiche Wachs, und die Form ihres Körpers bildet die Form der Zelle.
Aehnliches geschieht, obwohl mit einer geringeren Vollkommenheit, bei höheren Klassen der Thiere, z. B. bei Vögeln[14] bei dem Bau ihrer Neste, oder bei dem Biber, dem Dachse u. s. w.; nur bemerken wir dabei die sehr auffallende Erscheinung, dass die Kunsttriebe in dem Masse abnehmen, je vollkommener der Organismus ist; eine Erscheinung, welche zu der Ansicht berechtigt, welche ich mir eben auszusprechen erlaubte, dass die Thätigkeit, welche diese Kunsttriebe erzeugt, noch unter der Region der Empfindung, somit noch unter der Region der Vorstellung steht, und bei dem Thiere erst dann eine Empfindung, d. i. eine Vorstellung erzeugt, wenn sie gehemmt wird.
§. 11.
So wie nun jede Empfindung ein Verändertwerden der Individualität des Geschöpfes nothwendig voraussetzt, so gewahren wir auch, dass mit der Einwirkung, welche diese Veränderung bewirkte, nicht auch die Veränderung selbst verschwindet, sondern dass wenigstens derjenige Theil dieser Veränderung, welcher in Hervorbringung einer Vorstellung bestand, bleibend ist, und zwar um so mehr bleibend, je stärker die Veränderung, d. i. die Erregung des Individuums war, und je vollkommener der Organismus des Thieres ist.
Diese Erscheinung gibt sich dadurch kund, weil wir deutlich gewahren, dass das Thier bei wiederholtem Eintreten gewisser Momente, welche an und für sich noch keineswegs ein besonderes Erregtsein bedingen, aber einem gewissen Zustande des Erregtseins vorangegangen sind, schon eine solche Thätigkeit anwendet, wie sie dem, diesen Momenten erst folgenden Eindrucke entspricht. Der Hund lauft dem Gemache zu, wo gespeist wird, wenn er die Teller klingeln hört; er flieht, wenn sein Herr den Stock ergreift u. s. w.; es muss daher nothwendig die Reproduktion des früheren Eindruckes Statt finden, welcher dem nun vorhandenen gefolgt ist. — Derlei Thätigkeiten sind nun wohl in vielen Fällen ganz richtig angebracht, und insofern lässt es sich sagen, dass das Thier den nexus causalis, d. i. die Folge gewisser Erscheinungen richtig aufgefasst habe. — Es lässt sich aber auch nicht verkennen, dass das Thier auch bei Eindrücken, welche mit jenen, die einem bestimmten früheren Ereignisse vorangingen, nur Aehnlichkeit haben, zuweilen eine solche Thätigkeit äussert, welche jenem Ereignisse entspricht, obgleich diese Eindrücke keineswegs jenes Ereigniss wirklich bedingen; z. B. lauft der Hund, welcher durch den Schuss eines Gewehres erschreckt wurde, davon, wenn nur ein Stock in eine ähnliche Richtung wie ein Gewehr gebracht wird. Es folgt daher, dass das Thier seine Thätigkeit nur nach der Reproduktion des früheren Eindruckes, nicht nach der Auffassung des Zusammenhanges von zwei Begebenheiten, als Ursache und Wirkung, bestimme.
Eben so finden wir aber auch, dass das Thier bei dem Wiedervorkommen mancher schon früher vorhanden gewesenen Eindrücke zuweilen nicht diejenige Thätigkeit äussert, welche dem nun kommenden Ereignisse entspricht, sondern bei einem Eindrucke entweder ganz unthätig bleibt, oder etwas beginnt, zu welchen das dem Eindrucke folgende Ereigniss keine Veranlassung gibt, woraus folgt, dass bei den Thieren sowohl ein richtiges, als ein dem objektiven Eindruck nicht entsprechendes, somit unrichtiges Reproduziren Statt finde.