Alle jene Aeusserungen der Thierwelt, wodurch, wie man behauptet hat, sich eine wirkliche Intelligenz kund gibt, sind an und für sich sehr problematisch, und erhalten ihre scheinbare Evidenz gewöhnlich erst durch die mangelhafte Beobachtung, und durch die absichtlichen oder unabsichtlichen Zugaben des Erzählers. Man darf nur nie vergessen, dass wenn das Thier keine Intelligenz besitzt, es auch durch die Afterprodukte der Intelligenz, Vorurtheile, Irrthum und dergleichen, nicht gestört wird. Die zwischen Eindruck und Trieb liegenden Vorstellungen sind viel weniger zahlreich und intensiv, es empfängt daher den Eindruck viel reiner, und reproduzirt seine Vorstellungen viel richtiger als der Mensch, daher die Möglichkeit eines Irrthums in Folge einer irrigen Reproduktion in viel geringerem Grade vorhanden ist, als bei dem Menschen, welcher, wie wir später darthun werden, weit mehr als dies bei den Thieren der Fall ist, durch Vorstellungen angeregt wird, welche mit seinem Triebe in keiner unmittelbaren Verbindung stehen.

§. 13.

d. Vernünftig sinnliche (animalische) Wesen. Der Mensch.

Obgleich der Mensch mit dem Thiere das Merkmal gemein hat, dass auch bei ihm sich der sinnliche Eindruck zur Vorstellung gestaltet, und durch diese Vermittlung seine Thätigkeit anregt, so gewahren wir doch an ihm Erscheinungen, welche er mit keinem Thiere gemein hat. Diese sind die Sprache, die Bestimmung seiner Thätigkeit nicht blos nach seinen Trieben, sondern nach Produkten einer Kombinirung von Vorstellungen, d. i. nach Begriffen, endlich diejenigen Erscheinungen, welche wir unter dem Ausdrucke Sittlichkeit verstehen, nämlich als Funktionen betrachtet, Gewissen, Willen und (sittliches und religiöses) Gefühl, als äussere Thätigkeit betrachtet, sittliches und religiöses Handeln, Moral und Religion, und als allgemeine Anlage betrachtet, Vernunft.

§. 14.

Dass das Thier keine Sprache, d. i. nicht die Gabe besitzt, sich durch Zeichen, welche der Vorstellung entweder nur in einzelnen Theilen entsprechen, oder nur konventionell als derjenige Ausdruck angenommen sind, durch welchen bestimmte Vorstellungen oder bestimmte Begriffe angedeutet werden, verständlich zu machen, bedarf wohl keines Beweises. — Das Thier drückt durch Laute höchstens die Empfindung aus, von welcher es im Augenblicke erregt wird, dort aber, wo es die menschliche Sprache zu verstehen scheint, sind ihm die Worte nichts weiter, als ein Laut, welcher das erste Glied eines ihm bekannten nexus causalis darstellt. Wenn man dem Pudel zuruft: wie spricht der Hund! so bellt er nicht etwa darum, weil er die Frage versteht, sondern weil ihm bekannt wurde, dass wenn er nicht bellt, er Schläge bekommt, oder einen guten Bissen, wenn er bellte, und ihm dieser nexus causalis nach und nach geläufig wurde.

Ein Hühnerhund, welcher Rebhühner sieht, wedelt mit dem Schweife, weil es ihm so eingeprügelt wurde, und weil es überhaupt in seiner Natur liegt, zu wedeln, nicht als Zeichen. Dass der Gesang der Vögel ein ganz unwillkürliches Vonsichgeben von Tönen sei, ist längst anerkannt.

§. 15.

Was die Erscheinung betrifft, dass der Mensch nach Begriffen handelt, so ist sie eben so unbezweifelt richtig. Wir nennen nämlich Begriffe solche Kombinationen von Vorstellungen, in welchen dasjenige, welches ein Individuum mit dem andern gemein hat, festgehalten wird, die Unterscheidungsmerkmale aber verschwinden.

Dass nun der Mensch wirklich nach solchen Vorstellungen der Gattung handle, denen unmittelbar keine reelle Erscheinung der Aussenwelt entspricht, ist eben so ungezweifelt wahr; — denn wir sehen, dass der Mensch urtheile, d. i. durch Kombination mehrerer Vorstellungen eine ganz neue gewinnt und schliesst, d. i. aus mehreren Urtheilen wieder ein neues Urtheil über das Vorhandensein einer Thatsache in der Aussenwelt entwickelt.