§. 23.

Wenn wir nun zum Behufe der medizinisch gerichtlichen Darstellung das Verhältniss der menschlichen Thätigkeit zu dessen Umgebung als das wesentliche Moment anzunehmen genöthiget sind, so muss man billig fragen, was ist eine normale Thätigkeit des Menschen in Bezug auf dessen Umgebung? da ohne Zweifel die Abweichung von der normalen Thätigkeit diejenige Thatsache bildet, worauf es bei dieser Erhebung ankommt.

Die Antwort wird wohl einstimmig dahin ausfallen: diejenige Thätigkeit ist normal, welche der Objektivität der äusseren Erscheinungen entspricht, und diejenige ist nicht normal, welche dieser Objektivität entgegengesetzt ist. Wer durstig ist, ein passendes Getränk vor sich, und nicht besondere, ebenfalls objektiv richtige Gründe hat, sich dieses Getränk zu versagen, und trinkt, handelt normal, wer unter solchen Verhältnissen nicht trinkt, handelt nicht normal.

Diese Ansicht von normal und nicht normal ist aber nicht nur in der Erfahrung gegründet, sondern sie ist auch aus der Natur der Sache hervorgehend. — Die Sinne sind nämlich nicht Schöpfer der im Menschen vorhandenen Vorstellungen, sondern sie sind nur das vermittelnde Prinzip zwischen dem inneren Lebenstrieb und der Aussenwelt, sie können daher unmöglich anders, als objektiv richtig vermitteln, d. h. wo sie vermitteln, ist ihre Vermittlung eine richtige, die Thätigkeit, welche durch diese Vermittlung hervorgerufen wird, kann daher vom Standpunkte des Subjekts aus betrachtet keine andere sein, als eine objektiv richtige.

Wo daher eine den äusseren Verhältnissen nicht conforme Thätigkeit eintritt, ist es ganz richtig, zu sagen, dass sie nicht normal, d. i. für den Dritten, welcher diese nicht conforme Thätigkeit bei dem Subjekte gewahrt, von seinem Standpunkte aus unbegreiflich sei.

§. 24.

Wie ist nun eine solche nicht normale, d. i. den objektiven Verhältnissen nicht entsprechende Thätigkeit vom Standpunkte des Subjektes aus zu erklären?

Die Erfahrung gibt auch hier die entsprechende richtige Antwort, nämlich entweder: a) dasjenige, was hier eine Thätigkeit zu sein scheint, ist keine Thätigkeit, d. h. keine durch Vorstellungen bestimmte Aeusserung der Kräfte, sondern eine entweder mechanisch durch Einwirkung einer von Aussen wirkenden Gewalt, oder eine durch dynamischen Einfluss bedingte Kraftäusserung, z. B. der Mensch fällt und hält sich unwillkürlich an einen Strohhalm, oder ein Epileptischer oder Rasender schlägt um sich — oder b) der Mensch ist in einem Irrthume befangen.

Die erste Veranlassung ist zu sehr in der täglichen Erfahrung begründet, als dass es nothwendig wäre, hierüber ein Weiteres zu sagen.

Wie ist aber Irrthum möglich, wenn die Behauptung, dass die Sinne nicht trügen können, richtig ist?