Auch hier ergeben sich zwei Erklärungsarten, welche beide richtig sind:

Die erste liegt in der nicht zu läugnenden Möglichkeit, dass die Sinne die äusseren Eindrücke nicht so vollkommen auffassen, dass nicht die sich entwickelnde Vorstellung gegenüber der objektiven Beschaffenheit der äusseren Gegenstände mangelhaft bliebe, und daher die Thätigkeit sich im Verhältnisse zur Objektivität mangelhaft äussert.

Die zweite dieser möglichen Veranlassungen liegt darin, dass ein Mensch dasjenige, was nur Gegenstand seiner Vorstellung ist, für etwas Objektives hält.

§. 25.

Die erste Veranlassung bedarf keine weitere Erörterung, die zweite ist dadurch minder begreiflich, weil, wenn es richtig ist, dass die Sinne nur das zwischen äusserer Erscheinung und Vorstellung vermittelnde Prinzip sind, es nicht möglich scheint, dass der Mensch eine andere Vorstellung haben kann, als jene, welche der Wirklichkeit entspricht.

Dieser Einwurf ist allerdings gegründet und lässt sich nur dadurch beseitigen, dass man den Satz als wahr zugibt, noch nie habe ein Mensch oder ein sonstiges animalisches Wesen eine Vorstellung gehabt, welche der Wirklichkeit in ihren einzelnen Theilen nicht entsprochen hätte; diesen Satz kann man aber auch als wahr zugeben, denn wenn man sich z. B. ein Flügelpferd vorstellt, so ist dies auch ein Gegenstand einer wirklichen Anschauung, denn Jeder hat schon Flügel und hat schon Pferde gesehen, nur die Kombination dieser beiden Objekte entspricht nicht der Wirklichkeit.

Eine solche der Wirklichkeit nicht entsprechende Vorstellung ist daher grösstentheils eine Wirkung der Reproduktionsthätigkeit, und besteht so zu sagen aus einem Mosaikbild von, der Wirklichkeit zwar entsprechenden, jedoch in eine Zusammensetzung gebrachten Vorstellungen, welche Zusammensetzung der Wirklichkeit nicht entspricht.

Dass aber diese Art und Weise, das Vorhandensein solcher, der Wirklichkeit nicht entsprechender Gebilde zu erklären, die richtige sei, ergibt sich daraus, weil bei Thieren, deren Vorstellungen an Zahl jenen, welche bei den Menschen vorkommen, bedeutend nachstehen, so wie auch bei Kindern in den ersten Lebensjahren derlei Gebilde viel weniger wahrzunehmen sind, als bei entwickelten Menschen, bei denen die Zahl der vorhandenen Vorstellungen, und daher auch jene der durch Reproduktion Statt gefundenen Kombinationen viel geringer ist[18].

§. 26.

Nachdem sich nun die Möglichkeit einer Vorstellung, welche der Aussenwelt nicht entspricht, auf solche Art ganz naturgemäss erklärt, so kann man nur noch fragen, wie es möglich ist, dass der Mensch oder das animalische Wesen nicht alle Kombinationen seiner Reproduktionsthätigkeit für Wirklichkeiten hält?